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Die Wasserfälle von Iguazú – Finale

Heute ist es soweit, es ist an der Zeit Argentinien zu verlassen und in das nächste Land meiner Reise – Brasilien – zu fahren. Da ich mich direkt im Grenzgebiet befinde, ist die Sache Recht unkompliziert. Eine Variante um von Puerto Iguazú nach Brasilien zu kommen ist mit einem Taxi die Grenze zu überqueren. Dann gibt es auch noch spezielle Reiseanbieter, die einen über die Grenze bringen. Die günstigste, aber auch abenteuerliche Variante ist es, einen der Regionalbusse zu nehmen, der im Stundentakt in die brasilianische Stadt Foz do Iguaçu fährt.
Ich mach mich also zeitig auf den Weg um mit einem der ersten Busse um 08:30 die Grenze zu überqueren. Wie sich herausstellt fährt der Bus aber weniger nach Fahrplan, sondern startet dann wenn er voll ist. Somit muss ich am Busterminal gut 45 Minuten warten und bin kurz nach 09:00 unterwegs. Nach wenigen Kilometern erreichen wir den argentinischen Grenzposten – hier wird der Ausreisestempel abgeholt. Der Bus wartet solange auf die Reisenden.
Auf der brasilianischen Seite bleibt der Busfahrer zu meiner Verwunderung nicht stehen. Ich denk mir vielleicht passiert die Immigration am Busterminal in Foz do Iguaçu, damit es an der Grenze keine zu lange Wartezeit gibt. Als wir dann aber in der Stadt ankommen und auch dort niemand meinen Pass sehen will, frage ich den Busfahrer wieso das so ist. Der meint nur für einen Tagesausflug nach Brasilien ist das nicht notwendig. Anscheinend wird der Regionalbus fast ausschließlich von Menschen genutzt die nur zum Shoppen oder für einen Tagesausflug zu den Wasserfällen nach Brasilien reisen. Gut, damit ich mich nicht länger illegal in Brasilien aufhalte nimmt mich der Busfahrer wieder mit auf den Rückweg und lässt mich an der brasilianischen Grenzstation aussteigen.
Die Einreise läuft dann sehr unkompliziert, wenn man über den Landweg nach Brasilien reist ist nicht Mal ein PCR Test notwendig, ein Impfnachweis reicht. Da es dann trotzdem schon recht spät ist nehme ich von der Grenze direkt ein Taxi in mein Hostel, um mein Gepäck dort abzugeben. Kurz nach 12 Uhr Sitz ich dann endlich im Bus, der mich zum brasilianischen Nationalpark bringt.
Nach rund einer halben Stunde komme ich am Park an. Direkt der größte Unterschied zur argentinischen Seite ist wie der Park aufgebaut ist. Während man in Argentinien den ganzen Park zu Fuß erkunden kann ist man hier auf Shuttlebusse angewiesen. Damit kommt man zu den Startpunkten der Wanderrouten. Die beliebteste, welche auch ich besuche, ist der Weg zum Garganta del Diablo – diesmal aber von der Unterseite.

Ausblick nach Argentinien Über einige Stufen geht es hier vom Rand der Schlucht hinunter zum Wasser. Dabei hat man einen sensationellen Ausblick auf die Wasserfälle auf der argentinischen Seite. Natürlich gibt’s hier auch wieder Nasenbären, sowie jede Menge Vögel. Doch auch ein neues Tier kann ich hier entdecken. Direkt neben dem Weg, gut getarnt im Wald, hat es sich ein Waran gemütlich gemacht.

Ein Waran Ein paar Minuten später komme ich dann am Ende des Weges an, wo die Leute schon Schlange stehen um das beste Selfie vor dem Teufelsschlund zu schießen. Für Menschen, welche die kurze Wanderung nicht zu Fuß meistern können, gibt es hier auch einen Lift, um direkt vom Rand der Schlucht zu den Stegen vor den Wasserfällen zu kommen.






Nachdem ich wieder nach oben spaziert bin gönne ich mir ein Eis und mache mich auf den Weg zurück zum Eingang. Dort dann ein kleines Hindernis – anscheinend gibt’s Probleme mit dem Bus in die Stadt, der nächste soll erst in zwei Stunden kommen. So teile ich mir mit zwei Parkmitarbeitern sowie einem anderen Touristen ein Taxi, um zurück zu kommen. Dann ist es Zeit ein wenig am Pool meines Hostels zu entspannen, bevor es morgen dann zurück in den Großstadt Dschungel nach Rio de Janeiro geht.
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Die Wasserfälle von Iguazú – Teil 2

Am nächsten Tag mach ich mich frisch und munter, sowie mit einem Frühstück gestärkt, zurück auf den Weg zum Nationalpark. Da ich diesmal ziemlich früh dran bin wartet vor den Kassen schon eine Schlange – dafür kostet der Eintritt am zweiten Tag nur mehr die Hälfte. Kurz nach dem Eingang wartet auch schon ein einsamer Nasenbär auf die heutigen Gäste.

Heute starte ich mit dem oberen Rundweg, der eine andere Perspektive auf die Wasserfälle von gestern bietet. Sieht man den ruhigen und sehr seichten Zufluss, ist es schwer zu glauben wie imposant die Wasserfälle von unten aussehen. Im der Ferne lässt sich von hier aus auch der brasilianische Park sehen.

Wasserfall von oben Nachdem ich wieder am Start des Rundwegs angekommen bin nehme ich den Zug zum Beginn des Teufelsschlund-Weges. Dieser führt rund einen Kilometer über Stege hin zur Hauptattraktion des Nationalparks. Unterwegs gibt’s immer wieder Inseln, auf einer dieser gibt es auch einige Kappenblauraben zu sehen.

Ein Kappenblaurabe Noch bevor der Garganta del Diablo in Sichtweite ist kann man ihn hören und fühlen. Ein leichter Sprühnebel liegt in der Luft, eine willkommene Abkühlung. Ein paar Meter weiter und ich kann den Wasserfall endlich auch sehen. Spektakulär, wie die Wassermassen hier tosend in die Tiefe rauschen.

Auf dem Rückweg läuft mir mal wieder eine Nasenbärfamilie über den Weg. Nachdem die Warteschlange für den Zug zurück ewig lang ist, entscheide ich mich die drei Kilometer zum Eingang zu Fuß zurück zu spazieren. Dann hatte ich eigentlich noch vor eine Tour mit dem Schlauchboot bis ganz zu den Wasserfällen zu machen – leider hat das Tourunternehmen aber schon geschlossen. So mache ich mich trocken zurück auf den Weg in nach Puerto Iguazú und bereite mich auf den nächsten Tag vor, wenn ich Argentinien verlassen und nach Brasilien reisen werde.





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Die Wasserfälle von Iguazú – Teil 1

Die nächste Station meiner Reise führt mich ganz in den Nordosten von Argentinien, zum Dreiländereck mit Brasilien und Paraguay. Hier befinden sich die die Wasserfälle von Iguazú, die zu den größten und beeindruckendsten der Welt zählen. Sowohl auf der argentinischen als auch auf der brasilianischen Seite der Wasserfälle gibt es einen Nationalpark, für einen Besuch sollte man also mehrere Tage einplanen.
Ich hab insgesamt drei Tage für den Besuch der Nationalparks vorgesehen, zwei in Argentinien und einen in Brasilien. Um 6 Uhr morgens verlasse ich Buenos Aires und mach mich auf in die zwei Stunden entfernte Stadt Puerto Iguazú. In meinem Hostel kann ich zum Glück schon vor 11 Uhr einchecken, somit schnell die Sachen aufs Zimmer gebracht und ab zum Argentinischen Nationalpark.

Der liegt rund 20 Minuten außerhalb der Stadt, für Besucher gibt’s im 30 Minuten Takt eine Busverbindung vom Stadtzentrum aus. Im Park gibt’s mehrere Routen um die einzelnen Wasserfälle, Flora und Fauna aus der Nähe zu sehen. Außerdem gibt’s einen Zug der zu den unterschiedlichen Einstiegspunkten der Routen führt. Wer möchte kann den Park aber auch ganz zu Fuß erkunden.
Nachdem ich im Park angekommen bin starte ich am grünen Pfad. Dieser führt von der ersten Bahnstation durch den Regenwald zur Mittelstation. Von dort aus kann man auf den oberen und unteren Rundweg starten. Oder man fährt zum wohl spektakulärsten Ausblick im Park – zum Garganta del Diablo, dem Teufelsschlund. Ich hol mir erst Mal ein Eis und mach mich auf den Weg zum unteren Rundweg.
Nach einigen Metern gibt’s bereits einen Stau, eine Gruppe Kapuzineraffen hat den Besuchern ihr ihr Mittagessen abgeschnorrt. Der Park ist zwar mit Warnhinweisen zugepflastert die einheimischen Tiere nicht zu füttern, in dem Fall aber ohne Erfolg.

Weiter geht’s über einige Stufen nach unten, vorbei an einigen kleinen Wasserfällen. Nach knapp einem Kilometer wird man dann mit einem Blick belohnt, der so auch in jedem Jurassic Park Film vorkommen könnte. Palmen, tosende Wassermassen, darüber kreisende Russsegler, die hinter den Wasserfällen nisten.

Ein paar hundert Meter weiter kommt man dann ganz nah an den Salto Bossetti heran. Spätestens hier ist man dann wirklich durchnässt, falls man es zuvor geschafft hat bei 38º Celsius trocken zu bleiben.

Ich merk mittlerweile den frühen Start in den Tag und entschließe mich dafür, die beiden anderen Rundwege für morgen aufzuheben. Auf dem Rückweg zum Eingang läuft mir noch eine Familie von Nasenbären über den Weg, welche gerade auf der Suche nach ihrem Abendessen ist. Ich steige in den Bus zurück nach Puerto Iguazú und bin schon gespannt was ich morgen alles sehen werde.






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Colonia del Sacramento – die älteste Stadt Uruguays

Rund 50 Kilometer nordöstlich von Buenos Aires liegt die kleine Stadt Colonia del Sacramento. Getrennt werden die beiden vom Rio de la Plata, der hier schon eine beeindruckende Breite aufweist. Bis der Fluss ins Meer mündet steigt diese auf über 200 Kilometer an – mehr als die Distanz zwischen Graz und Wien.
Daher ist es nur naheliegend Buenos Aires und Colonia mittels einer Fähre zu vereinen. Mehrmals täglich gibt es Verbindungen, die Überfahrt dauert rund 90 Minuten. Es gibt von Buenos Aires aus übrigens auch direkte Fähren zur Hauptstadt Uruguays, Montevideo. Hier dauert die Überfahrt dann rund drei Stunden. Da der Rio de la Plata zwischen den beiden Ländern auch nur rund 20 Meter tief ist, verkehren die Fähren auf extra ausgebaggerten Routen.

Der Fährhafen Mit einem frischen PCR Test im Gepäck mach ich mich also auf den Weg zum Hafen. Der Check-in läuft ähnlich wie am Flughafen, auch die Ausreise aus Argentinien sowie die Einreise nach Uruguay werden gleich direkt vor Abfahrt erledigt. Da kommen heute einige Stempel im Reisepass dazu. Die Überfahrt verläuft ohne besondere Vorkommnisse, lediglich der Duty-Free Shop wird von den Passagieren regelrecht gestürmt.

In Colonia del Sacramento angekommen mach ich mich auf den Weg in die Altstadt der 1680 gegründeten Stadt. Hier fällt auch gleich der portugiesische Einfluss auf – immerhin wurde die Stadt als Außenposten von Rio de Janeiro gegründet. Dementsprechend gibt’s am vielen Stellen Fliesen an den Wänden, so wie man es etwa auch aus Lissabon kennt.

Eine geflieste Landkarte Weitere Sehenswürdigkeiten sind die alten Befestigungsanlagen inklusive altem Stadttor. Direkt davor liegt der Fluss, wo man einige alten Herren beim Angeln beobachten kann. Auch wenn man das andere Ufer nicht sehen kann wird hier klar das es sich um kein Meer handelt. Die Luft riecht nicht nach Salz und anstelle von Meeresvögeln gibt es Tauben. Auch die Farbe des Wassers ist nicht gerade appetitlich – das hat aber nix mit Verschmutzung zu tun sondern damit, dass durch den Zusammenfluss von Rio Paraná und Rio Uruguay weiter flussaufwärts der Boden aufgewirbelt wird.

Ausblick auf den Rio de la Plata Die beste Aussicht auf Colonia gibt es vom Leuchtturm aus, der mitten in der Altstadt steht. Direkt dahinter findet man Ausgrabungen aus der Zeit der Stadtgründung. Die Stadt hat in ihrer Geschichte oft zwischen portugiesischer und spanischer Herrschaft gewechselt, dementsprechend wurde die Unterkunft des Kommandanten sowie die Verteidigungsanlagen immer weiter ausgebaut. Erst Jahre nach der Unabhängigkeit Uruguays fand Colonia seinen endgültigen Platz.

Ausblick vom Leuchtturm aus Obwohl ich nur einen Tag in Uruguay war sind die Unterschiede zu Argentinien augenscheinlich. Ich hab hier keinen einzigen Obdachlosen oder Bettler gesehen. Die Straßen sind sauber und vor den Zebrastreifen wird auch wirklich angehalten. Während in Argentinien Cash regiert und meine ausländischen Debitkarten gar nirgends akzeptiert werden, kann hier in Uruguay alles kontaktlos bezahlt werden. Dabei wird bei ausländischen Karten auch gleich automatisch die Umsatzsteuer abgezogen, man bekommt also direkt einen ordentlichen Rabatt. Diese Aktion soll den Tourismus ankurbeln und läuft noch bis Ende April 2022.

Bier gibt’s hier, wie auch in Argentinien, in handlichen Literflaschen Doch es gibt auch Dinge, welche die beiden Seiten des Rio de la Plata verbinden. Da ist natürlich die Sprache. Klar sprechen beide Nationen Spanisch, doch auch die Eigenheiten in der Aussprache sind die selben. Auch die Flaggen beider Länder sehen aus als wären sie vom gleichen Artisten entworfen worden. Und dann ist da natürlich noch der Fussball. Argentinien gegen Uruguay ist nicht nur das Duell zweier ehemaliger Weltmeister, sondern auch die Begegnung die weltweit am häufigsten zwischen zwei Nationalteams ausgetragen wurde. Ganze 201 Mal standen sich die beiden Länder schon gegenüber.
Mit Einbruch der Nacht trete ich die Rückfahrt nach Buenos Aires an. Ziemlich müde aber mit jeder Menge neuen Eindrücken.








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Tigre – wo Buenos Aires sein Wochenende verbringt

Rund 30km vom Stadtzentrum von Buenos Aires entfernt liegt die Stadt Tigre. Mit dem Zug ist man in weniger als einer Stunde dort, was Tigre zu einem optimalen Ausflugsziel macht. Das finden auch viele Menschen hier in Buenos Aires, an den Wochenenden wird die Stadt regelrecht gestürmt. Ich war unter der Woche dort und hab mir angeschaut was man in Tigre alles unternehmen kann.

Die Promenade von Tigre Tigre liegt direkt am Delta des Rio Paraná, dementsprechend ist der Wassersport sehr beliebt. Es gibt mehrere Ruderclubs und wer mutig ist kann ein Ruderboot oder Kajak mieten, um die unzähligen Inseln des Flussdeltas zu erkunden. Für junge und junggebliebene gibt es einen Wasserpark sowie einen Vergnügungspark.

Ein Riesenrad gibt’s auch Wer lieber motorisiert unterwegs ist, kann das Delta mit einem Motorboot besichtigen. Dabei hat man die Wahl zwischen einer privaten Tour auf einem kleinen Boot, einer Ausfahrt auf stylishen Holzbooten oder einer Spritztour auf einem modernen Katamaran. Ich hab mich für Option drei entschieden.

Der Ruderclub von Buenos Aires An sich gibt es zwei Routen zur Auswahl, eine die rund eine Stunde dauert und eine umfangreichere mit knapp zwei Stunden. Am Tag meines Besuches gibt’s aber nur die kurze Variante, ich vermute die lange bleibt den Wochenendgästen vorbehalten. Der Katamaran hat neben den Sitzplätzen unter Deck auch eine Aussichtsplattform, die heute gut gefüllt ist. Immerhin hat es 36º Celsius, da ist der Fahrtwind eine willkommene Abkühlung.

Blick vom Katamaran Gleich nach dem Ablegen geht’s vorbei am Vergnügungspark und hinein in eine Seitenarm des Rio Paraná. Am Ufer tauchen dabei immer wieder Gebäude auf Stelzen auf – manche Wochenendhäuser, viele Pensionen oder Hostels. Auf Stelzen wird hier deshalb gebaut, weil das Delta regelmäßig geflutet wird. Anstelle eines Carports sieht man hier vor den Häusern Anlegeplätze für’s Boot. Diese haben auch einen Aufzug, damit man das Boot im trockenen lagern kann.

Daneben gibt’s auch noch den einen oder anderen Schiffsfriedhof, wo man ausrangierten Schiffen beim Rosten zusehen kann. Generell schaut das Wasser nicht sehr einladend aus, trotzdem finden sich in den flachen Bereichen einige Badegäste.
Doch auch abseits vom Wasser gibt’s in Tigre Dinge zu sehen. So etwa einige Museen, ein Casino sowie einen Markt, auf dem hauptsächlich Früchte gehandelt werden. Kein Wunder, dass der Ort bei den Einwohnern von Buenos Aires so beliebt ist.






Weitere Impressionen -
Der Straßenmarkt von San Telmo

San Telmo ist, gemeinsam mit La Boca, eines der Gründungsviertel von Buenos Aires. Obwohl der Stadtteil nur 1,3km² groß ist gibt es hier einiges zu sehen. Vor allem wer auf Antiquitäten steht kommt voll auf seine Kosten. Doch auch eine Markthalle mit Gastro-Bereich lädt zum Verweilen ein.
Richtig rund geht es hier aber immer Sonntags. Von der nördlichen Grenze am Plaza de Mayo bis zum südlichen Eck am Plaza Dorrego ist die Straße mit Marktständen zugepflastert. Als ich gegen 13 Uhr am Start ankomme ist der Markt gut besucht, Menschenmassen wälzen sich durch die Straßen.

Ein Großteil der Menschen verkauft selbst hergestellte Dinge. Neben Schmuck, Kunstwerken und Kleidungsstücken findet man auch ausgefallene Sachen. Gehäkelte Stofftiere, Ledermasken oder Geldbörsen aus alten Audio-Kassetten sind nur einige davon.
Je weiter man in den Süden vorstösst, desto anders werden auch die angebotenen Waren. Jetzt sind es hauptsächlich Antiquitäten und Sammlerstücke, welche die Besucher in ihren Bann ziehen. Silberbesteck, altes Porzellan, Briefmarken, Münzen und sogar alte Sodaflaschen lassen sich hier finden.

Und auch für das leibliche Wohl ist gesorgt. Zwischen den Ständen findet man immer wieder Berge von Orangen – den Saft gibt es hier stilecht handgepresst. Auch Snacks wie Empanadas oder selbst gemachtes Eis tragen zur Stärkung bei. Unterm Strich auf jeden Fall eine Empfehlung für einen gemütlichen Sonntag Nachmittag.

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Buenos Aires – eine Stadt auf der Suche nach ihrer Identität

Buenos Aires ist nicht nur die Hauptstadt von Argentinien, sondern auch das kulturelle, politische und wirtschaftliche Zentrum des Landes. Rund drei Millionen Menschen leben innerhalb der Stadtgrenze, inklusive Umland sind es sogar dreizehn Millionen. Dementsprechend gibt es hier viel zu sehen, mehr als man an einem Tag bzw. mit einer Tour erkunden kann. Deshalb hab ich mich an zwei unterschiedlichen Tagen mit Buenos Aires Free Walks daran gemacht, diese Stadt näher kennen zu lernen.

Blick auf den Stadtteil Retiro Richtung Süden Was hier in der Stadt als erstes auffällt – die Straßen sind nach einem Schachbrettmuster organisiert, was die Navigation zu Fuß sehr einfach macht. Mit dem Auto ist das schon ein wenig komplizierter, da ein Großteil der Straßen Einbahnen sind. An den Ecken der rund 100 Mal 100 Meter messenden Blöcke finden sich oft Minimärkte, die auch spät Nachts noch geöffnet sind.
Mitten durch die Innenstadt verläuft die Avenida 9 de Julio, eine der Hauptverkehrsadern. Der Bau dieser, nach dem argentinischen Unabhängigkeitstag benannten Prachtstraße, wurde 1935 begonnen, der letzte Teil wurde 1980 fertiggestellt. Um Platz für die Straße zu schaffen wurden knapp 40 Häuserblocks abgerissen. Die Straße ist rund 140m breit, inklusive eigener Spuren für die Stadtbusse. Somit gilt sie als die breiteste Straße der welt. Zum überqueren muss man mindestens zwei Grünphasen einplanen, es gibt aber ausreichend Verkehrsinseln zum warten.

Der Obelisk von Buenos Aires Natürlich befinden sich entlang der Avenida 9 de Julio auch etliche Sehenswürdigkeiten. So etwa der Obelisk von Buenos Aires, der im Jahr 1936 zum 400 Jahr Jubiläum der Stadtgründung errichtet wurde. Oder das bekannteste Opernhaus der Stadt, das Teatro Colón. Die Theatersaison startet im März, bis dahin wird das Gebäude als COVID Test- und Impfstation genutzt.

Teatro Colón Gekreuzt wird die Avenida 9 de Julio von einer weiteren Prachtstraße, der Avenida de Mayo. An deren Ende liegt der Plaza de Mayo, der Hauptplatz der Stadt. Hier hat nicht nur der Präsident Argentiniens seinen Amtssitz, man findet auch die Kathedrale, das Rathaus sowie die Nationalbank. Gleichzeitig ist der Plaza de Mayo regelmäßig Schauplatz von Protesten, Demonstrationen und Kundgebungen. Da diese nicht immer friedlich verlaufen sind alle Regierungsgebäude eingezäunt.





Rund zwei Kilometer westlich befindet sich ein weiteres imposantes Gebäude, der argentinische Nationalkongress. Hier versehen die argentinischen Abgeordneten sowie der Senat ihren Dienst.

Der argentinische Nationalkongress Auf dem Weg dorthin passiert man unzählige weitere Bauten, die man so sicherlich auch in europäischen Städten finden kann. Ein Gebäude das dennoch heraussticht ist der Palacio Barolo. Heute ein prestigeträchtiges Bürogebäude, früher das höchste Gebäude in ganz Südamerika. Das 100 Meter hohe Haus ist dabei ganz nach der Göttlichen Komödie von Dante Alighieri ausgerichtet. Keller und Erdgeschoss bilden die Hölle nach, die Stockwerke 1 bis 14 das Fegefeuer. Ab Stockwerk 15 ist man im Himmel angelangt, allerdings gibt es keine Aufzüge die aus dem Erdgeschoß direkt dahin führen – im 14. Stock heisst es umsteigen. Gekrönt wird das ganze von einem Leuchtturm, den man angeblich noch im benachbarten Uruguay sehen kann.

Palacio Barolo Ein paar Kilometer weiter nördlich im Stadtteil Recoleta findet man den gleichnamigen Friedhof – Cementerio de la Recolecta. Hier ruhen einige der wichtigsten Figuren der argentinischen Geschichte in imposanten Grabmälern. Unter ihnen auch Eva Perón, die ehemalige First Lady Argentiniens. War ihr kurzes Leben bereits außergewöhnlich, so setzt ihr Tod und was danach passierte noch einen drauf. Einbalsamiert und in einem Glassarg zur Schau gestellt, nach einem Militärputsch nach Europa entführt und unter falschem Namen in Mailand bestattet, sowie nach 21 Jahren wieder nach Buenos Aires überführt und in der Familiengruft beigesetzt. Der Grund dafür – die enorme beliebtheit von Evita war und ist vielen politischen Gegnern ein Dorn im Auge.





Was hat das jetzt alles mit der Suche nach Identität zu tun? Nach der erstmaligen Gründung der Stadt im Jahr 1536 war Buenos Aires über Jahrhunderte relativ unbedeutend. Erst mit der Unabhängigkeit Argentiniens zu Beginn des 19. Jahrhunderts gewann die Stadt an Bedeutung – zum Ende des Jahrhunderts war Buenos Aires die größte und reichste Stadt Südamerikas. Um diesen Reichtum zur Schau zu stellen, wurde den großen europäischen Vorbildern wie Frankreich, Großbritannien und Deutschland nachgeeifert. Das führte dazu, das viele der hier neu errichteten Gebäude einen Stil aufweisen, der in Europa schon längst nicht mehr „in“ war. So findet man hier in einem Block Häuser im Stil des Barock, Neoklassizissmus oder antiker griechischen Bauten. Manchmal wurde sogar versucht verschiedene Stile in einem Gebäude zu vereinen.
Eine verschachtelte Altstadt mit engen Gassen sucht man hier vergeblich. Viel mehr scheint es als wurde am Reissbrett eine Stadt entworfen, welche die architektonischen und kulturellen Highlights Europas in sich vereint. Und genau das macht Buenos Aires aus – dieser Mix aus Pariser Flair, einem Dialekt der an Italien erinnert und gleichzeitig modernen Hochhäusern wie in London oder Moskau, das habe ich sonst noch nirgendwo erlebt.
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Der blaue Markt Argentiniens

Seit vielen Jahren zählt Argentinien zu den Ländern mit der weltweit höchsten Inflationsrate. Allein im Jahr 2021 verlor der argentinische Peso mehr als 50% seiner Kaufkraft. Hinzu kommt, das vielen Menschen hier die argentinische Finanzkrise Anfang des Jahrtausends nur zu gut in Erinnerung ist.
Daher versuchen viele Menschen ihr Geld in Sicherheit zu bringen, indem sie es gegen stabilere Währungen wie Euro oder US-Dollar tauschen. Das machen sie mit teils heftigen Abschlägen, wodurch sich parallel zum offiziellen Wechselkurs ein zweiter etabliert hat – genannt Blue Dollar bzw. Blue Euro.
Eine Möglichkeit davon zu profitieren ist, seine mitgebrachten Dollars und Euros bei Straßenhändlern zu tauschen. Diese findet man hier im Zentrum der Stadt an fast jeder Ecke. Anstelle des offiziellen Wechselkurses von einem Euro zu 120 Pesos bekommt man so rund 230 Pesos für den Euro – fast das doppelte.
Wem das aber ein wenig zwielichtig vorkommt oder kein Bargeld aus der Heimat mitgebracht hat, keine Sorge – es gibt nämlich eine noch bessere Option. Western Union bietet einen Kurs von einem Euro zu 250 Pesos an, also sogar mehr als das doppelte. Alles was man dazu tun muss, ist, sich via Western Union selbst Geld zu schicken. Das geht mittels App, vom heimischen Konto aus oder via Kreditkarte. Danach ab zur nächsten Western Union Filiale, mit dutzenden anderen Touristen in der Schlange anstehen und nach einer halben Stunde hält man seine Pesos in der Hand.

Einer der vielen Western Union Standorte in Buenos Aires Somit kostet alles, was man danach in Bar bezahlt, nur die Hälfte. Das ist gerade hier im Zentrum der Stadt praktisch, da es die Preise in den Cafés und Restaurants in sich haben. Für ein Frühstück sind pro Person schnell Mal 1000 Pesos weg, für ein Abendessen 2-3000. Rechnet man das mit dem offiziellen Kurs um, sind das Preise, mit denen man auch in Österreich gut dabei ist.
Für Touristen gut, für viele Einheimische aber eine Katastrophe. In noch kaum einem anderen Land der Welt hab ich derart viele Obdachlose Menschen gesehen wie hier in Buenos Aires. Man kann nur hoffen, das Argentinien seine Finanzen endlich in Ordnung bringen kann. Doch wenn man mit den Einheimischen spricht, scheint das eine Herkulesaufgabe zu sein, zu tief verwurzelt ist das Misstrauen der Bevölkerung in die Regierung und die eigene Währung.
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La Boca – das bunteste Viertel Buenos Aires‘

Heute ist La Boca einer der berühmtesten Stadtteile von Buenos Aires und bei Touristen sehr beliebt. Um herauszufinden wie es dazu kam und weshalb das Viertel im Südwesten der Stadt so beliebt ist, habe ich es bei einer Tour näher erkundet.
Meine Tour startet um 11:00 Uhr, perfekt um vorher noch direkt Vorort zu frühstücken. In dem Café fallen mir gleich mehrere Dinge auf. Im Gegensatz zu den Lokalen in der Innenstadt bin ich der einzige Tourist, die anderen Gäste sind Pensionisten sowie Straßenkünstler, die sich für den Ansturm der Gäste stärken. Gleichzeitig sind auch die Preise hier um einiges günstiger, mein Kaffee mit drei Facturas (kleinen Kipferl) kostet umgerechnet einen Euro. Und der Fussball ist hier so etwas wie eine Religion.

Die Brücke(n) Nicolás Avellaneda Startpunkt der Tour ist jener Ort, der dem Bezirk den Namen gegeben hat. La Boca bedeutet auf deutsch Der Mund, genau hier mündet nämlich der Fluss Riachuelo in den Rio de la Plata. Denn Buenos Aires liegt gar nicht am Meer, sondern an einer der breitesten Flussmündungen der Welt, dort wo der Rio de la Plata und Rio Uruguay zusammentreffen.
Hier in La Boca sind im 19. und 20. Jahrhundert unzählige Einwanderer aus Europa gelandet, angelockt vom Versprechen nach Land und Reichtum. Und hier steht auch eines der Wahrzeichen des Viertels, zwei Brücken, die nach dem früheren Präsidenten Nicolás Avellaneda benannt wurden. Diese Schwebefähren sind die einzigen ihrer Art außerhalb von Europa.

Die Flussmündung des Riachuelo Die Gewässer rund um La Boca galten für lange Zeit als einige der schmutzigsten der Welt. Seit rund 10 Jahren wird die Verschmutzung intensiv bekämpft, doch auch heute finden sich im Wasser noch Bakterien, die ein Schwimmen darin unmöglich machen.
Direkt hier an der Mündung steht auch die Statue eines der berühmtesten Söhne von La Boca. Benito Quinquela Martín, ein Maler, der seine Kunstwerke mit einer Spachtel schuf. Selbst ein Waise, nutzte er sein durch die Kunst angehäuftes Vermögen um Schulen und Krankenhäuser zu finanzieren.

Benito Quinquela Martín Dann geht es in das Herz von La Boca, den Caminito, eine Straße und Open Air Museum zugleich. In dieser, von der UNESCO zum Weltkulturerbe erhobenen, Passage findet man noch die traditionellen Gebäude vom Beginn des 20. Jahrhunderts. Ähnlich wie in Valparaíso aus Verpackungsmaterial der unzähligen Schiffe, welche zu dieser Zeit im Hafen von La Boca anlegten, erbaut. Zu seiner Hochzeit war La Boca nach New York der wichtigste Atlantikhafen am Amerikanischen Kontinent.

Ein Innenhof im Caminito Hier finde ich auch einige Straßenkünstler aus dem Café wieder. In voller Tango-Montour stehen sie bereit für einen Tanz oder Fotos mit den Touristen. Das kommt nicht von ungefähr, so soll der Tango doch in diesen Straßen geboren worden sein. Einwanderer aus unterschiedlichsten europäischen Regionen, die hier auf engstem Raum lebten und gemeinsam musizierten, dazu afrikanische Rhythmen und fertig war ein Stück lateinamerikanische Lebensfreude.
Zum Reichtum haben es nur sehr wenige der Einwanderer gebracht. Denn in der Besessenheit darauf, die europäischen Trends nachzubilden, hat man irgendwann den Anschluss verpasst. Schon lange laufen die Schiffe nicht mehr La Boca an, sondern den neuen, modernen Hafen ein paar Kilometer weiter nördlich. So gibt es hier heute, abseits vom Tourismus, kaum Jobs. Unser Tour Guide gibt uns an dieser Stelle mit, das es besser ist das Viertel vor Einbruch der Dunkelheit zu verlassen.

Doch trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, sind die Straßen farbenfroh wie sonst kaum irgendwo. Doch auch gesellschaftskritische Streetart gibt es hier zu Hauf. So etwa ein Mural, welches an die während der letzten Militärdiktatur verschwundenen Menschen erinnert:

Und auch die Feuerwehr hat hier einen sehr hohen Stellenwert. Da die Gebäude in La Boca fast ausschließlich aus Holz bestanden, war eine effiziente Feuerwehr wichtig um Katastrophen zu verhindern. Noch heute zollt man allen Mitgliedern der Feuerwehr großen Respekt:

Einer der hier in La Boca auch nicht fehlen darf ist der argentinische Fussballgott Diego Maradona. Sein Club, die Boca Juniors, ist unzertrennlich mit dem Stadtteil verbunden. Nur passend, das unsere Tour am Stadion endet. La Bombonera, die Pralinenschachtel, laut Pelé das einzige Stadion in dem man sich mehr davor fürchtet zu gewinnen als zu verlieren. Auch wenn das Stadion, wie so viele Orte hier in La Boca, sicher schon bessere Zeiten gesehen hat, ein imposanter Anblick.








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Buenos días aus Buenos Aires

Nach knapp vier Wochen in Chile ist es an der Zeit meine Zelte hier abzubrechen und weiter zu ziehen. Mein Ziel ist Argentinien, wie so vieles in diesen Monaten macht COVID die Sache aber etwas komplizierter.
Keiner weiß so genau was jetzt wirklich gilt. Auf der Website der Argentinischen Behörden und auch der meiner Fluglinie steht, dass seit Ende Jänner kein PCR Test mehr notwendig ist, wenn man vorher zwei Wochen durchgehend in einem Nachbarland Argentiniens war. Soll mir Recht sein, in San Pedro ist es quasi eh unmöglich innerhalb von 72 Stunde ein PCR Testergebnis zu erhalten.
Doch die Dame am check-in sieht das anders, ohne PCR kein Boarding. Somit bleibt mir nix anderes übrig als auf den nächsten Tag umzubuchen und mich auf die Suche nach einem PCR Superschnellest zu machen. Zum Glück kennt mein Taxler eine Teststrasse, die verlässlich innerhalb von 6 Stunden ein Ergebnis liefert. Das ist zum Glück negativ und so darf ich am nächsten Tag nach Argentinien einreisen.
Mein Ziel ist die Hauptstadt Buenos Aires, wo ich auch Mal zumindest zehn Tage bleiben werde. Seit ich Santiago verlassen hab ging’s im Dreitagesrhythmus zu neuen Schauplätzen, jetzt ist Mal Zeit ein wenig zu entspannen. Zu sehen und erleben gibt’s hier, im Paris des Südens, auch jede Menge. Also keine Angst, ich werd euch auch in den nächsten Wochen auf dem laufenden halten.

Meine Unterkunft für die nächsten 10 Tage