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  • Sterndal schaun

    Sterndal schaun

    Kaum irgendwo auf der Welt sind die Voraussetzungen für astronomische Beobachtungen so ideal wie hier in der Atacama Wüste. An 300 Tagen im Jahr gibt es Sonnenschein, die Luft ist so trocken das kaum ein Wassertropfen die Beobachtung stört und nachdem hier kaum Menschen leben ist die Lichtverschmutzung sehr gering. Kombiniert mit der großen Seehöhe ideal für Radioteleskope wie das ALMA, welches man hier auf 5000 Metern findet.

    Der Sternenhimmel – ohne Stativ leider kaum sichtbar zu fotografieren

    Doch auch mit herkömmlichen Teleskopen lässt sich ein spektakulärer Blick auf unser Universum werfen. Kaum verwunderlich, dass die Ausflüge zur Sternenbeobachtung das absolute Highlight hier sind. Um 21:00 Uhr, die Sonne ist gerade untergegangen, machen wir uns auf den Weg zu einem 15 Minuten außerhalb von San Pedro liegenden Open Air Planetarium.

    Zu Beginn erklärt uns ein Astronom welche Konstellationen heute zu sehen sind. Spannend ist, dass die aus Europa bekannten Sternbilder hier auf der Südhalbkugel alle auf dem Kopf stehen. Andere Sterne sind gar nicht zu sehen – anstelle des Polarsterns gibt’s hier das Kreuz des Südens. Dafür ist die Milchstraße mit freiem Auge sehr gut zu sehen, ein Anblick bei dem man sich bewusst wird wie klein unsere Welt im kosmischen Kontext doch ist.

    Beim sterndal schaun, im Hintergrund ein Arm der Milchstraße

    Nächster Programmpunkt ist ein Fotoshooting mit der Milchstraße im Hintergrund. Nach einem Glas chilenischen Wein sind wir dann endlich selbst an der Reihe und dürfen durch neun unterschiedliche Teleskope einen Blick ins All werfen.

    Auf ihren Wein sind die Chilenen sehr stolz

    Kurz vor Mitternacht geht’s zurück ins Hostel. Dort wird, wie auch schon die Nacht zuvor, noch Karten gespielt. Cara de caca, ein bei chilenischen Studenten beliebtes Spiel hat es uns angetan. Schon irgendwie lustig, als Österreicher hat man sonst nicht oft die Gelegenheit mit einem Studenten aus Chile und zwei Mädels aus Brasilien und den USA durch die Nacht zu zocken. Die Welt is halt wirklich klein. Gut das ich für morgen keine Tour gebucht hab 🙂

  • Ein atemberaubender Ausflug in die Wüste

    Ein atemberaubender Ausflug in die Wüste

    Auch wenn San Pedro de Atacama schon auf stolzen 2500m liegt gibt es hier viele Ausflugsziele, wo es noch um einiges höher hinausgeht. Den Besuch einer dieser Sehenswürdigkeiten habe ich für den zweiten Tag geplant. Es soll zum Géiser del Tatio gehen, einem Vulkan bei dem auf 4200m Seehöhe früh am Morgen Geysiere bewundert werden können.

    Leider wird die Tour kurzfristig abgesagt – Mitarbeiter im Nationalpark haben sich mit COVID infiziert, weshalb der Vulkan bis auf weiteres geschlossen bleibt. Es ist leider nicht die einzige Attraktion in der Atacama Wüste, welche der Pandemie zum Opfer fällt. Auch das Valle de la luna, eine mondähnliche Wüstenlandschaft, ist geschlossen. Als Alternative geht es auf die Ruta de los Salares, eine ganztägige Rundfahrt durch die Wüste, bis hin zu den Grenzen mit Bolivien und Argentinien.

    Um 08:00 geht’s los und es geht gleich stetig bergauf, man merkt das auch dem Bus die Luft ein wenig wegbleibt. Erster Stop ist ein Aussichtspunkt auf den Vulkan Licancabur. Der knapp 6000 Meter hohe Vulkan ist zwar auch von San Pedro aus gut zu sehen, von hier sieht man aber erst wie massiv er ist. Während wir etwas Frühstücken können wir auch die Fauna beobachten. Neben Flamingos, welche die über die Route verstreuten Lagunen beheimaten, gibt’s auch Lamas, Guanakos und ihre kleineren Verwandten die Vicuñas zu sehen.

    Weiter geht es über eine Passhöhe bis auf 4800 Meter. Hier spürt man dann doch, dass die Luft dünner ist – vor allem wenn auch noch Schutzmasken getragen werden müssen. Im weiteren Verlauf de Tour besuchen wir, wie der Name schon verrät, einige Salzseen sowie eine Hochebene, auf der über Jahrtausende verwitterte Steinsäulen zu sehen sind. Eine davon soll den chilenischen Schriftsteller Pablo Neruda darstellen.

    Gegen 15:00 Uhr sind wir dann wieder in San Pedro, genau richtig um für die am Abend anstehende Tour auszurasten. Dazu aber beim nächsten Mal mehr.

  • San Pedro de Atacama – Willkommen am Mars

    San Pedro de Atacama – Willkommen am Mars

    Nach mehr als einer Woche in Patagonien könnte die nächste Station meiner Reise kaum unterschiedlicher sein. Anstelle von Gletschern, Seen und grünen Wiesen finde ich mich in einer der trockensten Regionen der Welt wieder. Hier in der Atacama Wüste im Norden Chiles gibt es Orte, in denen schon seit Jahrzehnten kein Regen mehr registriert wurde.

    Eine Salzwüste

    Menschen leben hier nur in den vereinzelten Oasen Dörfern und eines dieser Dörfer ist auch meine Wüstenbasis für die nächsten vier Tage. Die Gemeinde San Pedro de Atacama umfasst mehrere kleinere Siedlungen mit insgesamt 10.000 Einwohnern. Der Hauptort San Pedro hat nur rund 2000 Einwohner, hinzu kommen wohl nochmal so viele Touristen. Auch bei Chilenen selbst ist der auf ca. 2500m Seehöhe liegende Ort ein beliebtes Urlaubsziel.

    Zu sehen gibt es hier jede Menge. Da wären einerseits die Salzseen, die man rund um die Oase finden kann. Einige dieser Lagunen können auch zum Baden genutzt werden, wie etwa die Lagunas escondidas de Baltinache. Im Zuge einer organisierten Tour geht es eine gute Stunde über Schotterstraßen in die Wüste. Die dabei am Fenster vorbeiziehende Gegend erinnert an die Bilder, welche von den Mars Rovern aufgenommen wurden.

    Fast wie am Mars

    Am Ziel angekommen findet man sieben Lagunen, von denen in zwei gebadet werden darf. Das strahlend türkise Wasser ist recht frisch, ideal als Abkühlung. Der Salzgehalt hier ist höher als im Toten Meer, was es fast unmöglich macht aufrecht im Wasser zu stehen. Mehr als 20 Minuten sollte man deshalb aus Gesundheitsgründen nicht im Wasser bleiben. Nach dem Bad sieht man die hohe Salzkonzentration auch am eigenen Körper. Ist das Wasser getrocknet belibt eine weiße Salzschicht übrig, daher muss nach dem Bad unbedingt nochmal geduscht werden.

    Neben einem Bad in der Lagune gibt es in San Pedro noch einiges mehr zu sehen und erleben. Davon erzähle ich euch dann beim nächsten Mal.

  • Nationalpark Torres del Paine oder Servas die Wadln

    Nationalpark Torres del Paine oder Servas die Wadln

    Die Region Patagonien kann mit unzähligen Sehenswürdigkeiten aufwarten. Das unumstrittene Kronjuwel, zumindest auf chilenischer Seite, ist der Nationalpark Torres del Paine. Jährlich lockt der 1959 gegründete Park hunderttausende Besucher an.

    Im Park gibt es zwei populäre, mehrtägige Wanderungen. Einerseits den O-Trek, der einmal rund um den Park führt, sowie den W-Trek, welcher den südlichen Teil des Parks abdeckt. Übernachten kann man auf der 7 bzw. 4 tägigen Wanderung im Zelt oder in einem Refugio, quasi einer Schutzhütte. Die Plätze sind stark begrenzt und für die Hochsaison von Dezember bis März schon Monate zuvor ausgebucht.

    Blick auf die Torres vom Eingang des Parks

    Eine beliebte Variante den Park zu besuchen ist deshalb ein Tagesausflug aus dem benachbarten Puerto Natales. Von hier aus fahren täglich mehrere Busse zum Park und retour, die Fahrt selbst dauert knapp zwei Stunden. Deshalb heißt es einmal mehr früh aufstehen, um gleich mit dem ersten Bus um 07:00 zum Park zu fahren. Wenn man den letzten Bus zurück nach Puerto Natales um 19:30 anpeilt bleiben so gut 10 Stunden Zeit um den Park zu erkunden.

    Ideal für eine Wanderung zum Mirador las Torres, eine mit 8 Stunden Gehzeit veranschlagte Tour zu einem der atemberaubendsten Ausblicken im Nationalpark. Rund 9km und 900 Höhenmeter sind je Richtung zu überwinden, um den Fuß der namensgebenden Granitnadeln zu erreichen.

    Wegweiser

    Den ersten Kilometer geht es eher gemütlich los, doch schon bald fängt der Weg kontinuierlich an zu steigen. Über rund 350 Höhenmeter geht es zur ersten Bergwertung am Paso del Viento. Dieser macht seinem Namen alle Ehre, es weht ein angenehmer Wind. Da es heute sehr warm ist und der Weg bisher kaum Schatten zu bieten hatte eine willkommene Abkühlung. Von diesem Punkt hat man zudem einen spektakulären Ausblick auf den bereits zurückgelegten Weg und die kommende Herausforderung.

    Zuerst geht’s aber erst Mal ein Stück hinab zum Refugio Chileno. Hier gibt es neben einem Campingplatz auch einen Minimarkt sowie eine Gastwirtschaft samt Sonnenterrasse. Ich mach eine kurze Pause, fülle meine Wasserflasche und mach mich auf zum wohl angenehmsten Teil der Wanderung. Von hier aus geht es in einen Wald, endlich ein wenig Schatten. Stetig geht es bergauf, hinweg über etliche Holzbrücken – Wassermangel gibt es hier im Park keinen.

    Nach gut einer Stunde geht der Wald zu Ende und ich komme zum anstrengendsten Teil des Weges. Über große Steine geht es relativ steil nach oben. Hier braucht man neben Kondition auch eine Menge Trittsicherheit. Liegt der erste Teil des Aufstiegs noch im Schatten geht’s schon bald hinaus in die pralle Mittagssonne. Die letzten 500 Meter sind eine Qual, doch das sich danach zeigende Panorama ist es Wert.

    Die massiven Türme ragen in den strahlend blauen Himmel. Dabei machen Sie ihrem Namen alle Ehre, heißen die Torres in der Sprache der Ureinwohner doch Türme des blauen Himmels.

    Hier ist erstmal eine längere Pause angesagt, bevor es den gleichen Weg zurück geht. Um 19:00 bin ich wieder beim Bus, kauf mir im Welcome Center noch zwei Bier für die Heimfahrt und mache mich auf den Weg zurück nach Puerto Natales.

  • Punta Arenas – das Tor zur Antarktis

    Punta Arenas – das Tor zur Antarktis

    Früh am Morgen mach ich mich auf den Weg zum Flughafen, um nochmal gut zwei Stunden und den Süden zu fliegen. Mein Ziel ist Punta Arenas, die südlichste Großstadt der Welt.

    Schon vor der Landung ist klar – hier weht ein anderer Wind. Beim Landeanflug werden wir ordentlich durchgeschüttelt, schlussendlich kommen wir aber sicher in der rund 125.000 Einwohner zahlenden Stadt an. Doch auch am Boden lässt der Wind nicht nach, Böhen von über 100 km/h erschweren das Erkunden der Stadt.

    Selbst den Kormoranen ist es heute zu windig

    Dem Wind fällt auch meine geplante Aktivität für meinen einzigen vollen Tag hier zum Opfer. Eigentlich wollte ich in der Früh zur Isla Magdalena aufbrechen, um die auf der Insel beheimatete Kolonie von Magellan-Pinguinen zu besuchen. Mehr als 60.000 Pinguine sollen diese Insel in der Magellan Straße bewohnen.

    Anstatt dessen entscheide ich mich die Stadt zu Fuß zu erkunden. Erster Stop ist ein kleiner Hügel im Zentrum der sonst sehr flachen Stadt. Von hier aus hat man nicht nur die Stadt im Blick sondern kann auch die täglich im Hafen anlegenden Kreuzfahrtschiffe sehen. An einem nahen Wegweiser Stelle ich fest daß ich momentan um einiges näher an Japan als der Heimat bin.

    Eine weitere beliebte Sehenswürdigkeit ist der Friedhof von Punta Arenas. An diesem Ort spiegelt sich auch wieder, dass sich hier in der Vergangenheit eine Vielzahl von Einwanderern niedergelassen hat. Spanier, Briten, Deutsche aber vor allem Kroaten hat es zu Beginn des 20. Jahrhunderts hierher gelockt. Daher tragen viele der Grabsteine kroatische Inschriften und auch in der Stadt selbst findet man noch einige kroatische Restaurants.

    Den Beinamen Tor zur Antarktis trägt Punta Arenas nicht von ungefähr, immerhin starten von hier immer wieder Flüge zum eisigen Kontinent. Schlussendlich stellt Chile auch einen Anspruch auf einen Teil der Antarktis, der als Verlängerung der Anden gilt.

    Chilenische Gebietsansprüche in der Antarktis
  • Puerto Varas – ein Stück Deutschland in Chile

    Puerto Varas – ein Stück Deutschland in Chile

    War in Pucón schon ein ziemlich mitteleuropäisches Flair zu spüren, bin ich jetzt an einem Ort angekommen, welcher dies noch auf die Spitze treibt. Das liegt daran, dass der Ort Puerto Varas einst von deutschen Auswanderern besiedelt wurde, was sich auch heute noch im Ortsbild zeigt.

    Die katholische Kirche von Puerto Varas

    Die Nachfahren der deutschen Pioniere organisieren sich heute noch im deutschen Verein, dessen Vereinshaus – inklusive deutschem Restaurant – im Ortskern von Puerto Varas liegt. Aber auch abseits davon findet man jede Menge Hinweise auf die deutsche Vergangenheit.

    Ein Stoffgeschäft in Puerto Varas

    Leider hat mich eine Schlechtwetterfront hierher verfolgt, weshalb die in Puerto Varas angebotenen Outdoor-Aktivitäten ins Wasser fallen. Wasser gibt es hier übrigens genug, liegt die Stadt doch am zweitgrößten See Chiles, dem Lago Llanquihue. Dieser See ist mit 877km² rund 50 Prozent größer als der Bodensee.

    Die Seepromenade

    Hatte Pucón mit dem Villarica einen Vulkan zu bieten gibt’s hier gleich zwei. Die Vulkane Osorno und Calbuco sind beliebte Ausflugsziele für Wanderungen. Leider kann ich Aufgrund der immer wieder aufkommenden Regenfälle den Vulkanen keinen Besuch abstatten und muss sie aus der Ferne bestaunen.

    Osorno und Calbuco vom Ufer des Lago Llanquihue

    Dafür stolpere ich im Garten meines Hostels – einem der vielen Gebäude aus der Gründerzeit – über ein paar komische Vögel. Von der Größe her irgendwo zwischen Hendl und Truthahn angesiedelt, mit gelbem Kopf und einem langen, gekrümmten Schnabel. Hier hat es sich eine Gruppe von Schwarzzügelibissen gemütlich gemacht.

    Schwarzzügelibisse

    Aber auch ansonsten geht es in Puerto Varas tierisch zu. Wie auch in allen anderen Städten, in denen ich bisher war, tummeln sich zahlreiche streunende Hunde in den Straßen. Einen hab ich sogar beim Check-in am Flughafen, auf dem Weg zu meinem nächsten Stopp, gesehen. Aber dazu mehr beim nächsten Mal.

    Plaza de Armas mit Hund
    Mein Hostel von aussen…
    … und innen.
  • Pucón – die Abenteuer Hauptstadt Chiles

    Pucón – die Abenteuer Hauptstadt Chiles

    Hab ich mich in Santiago noch ein wenig gewundert wo die ganzen Menschen sind, so hab ich sie nun gefunden. Pucón ist sowohl bei Touristen, aber auch bei Chilenen selbst, ein sehr beliebter Ort für den Sommerurlaub. Dementsprechend rund geht es in der Stadt, vor den Eisdielen und Cafés gibt es, genauso wie auf den Straßen, Stau ohne Ende.

    Das Pucón so beliebt ist liegt daran, das hier für jeden Geschmack etwas geboten wird. Wer es lieber ruhig angeht kann am See entspannen oder die nahen Thermalquellen besuchen, wer auf Action steht hat kann raften oder den, auch im Sommer schneebedeckten, Vulkan Villarica besteigen. Dazwischen gibt es auch noch einige Nationalparks die zum Wandern einladen.

    Der allgegenwärtige Vulkan Villarica

    Nachdem ich zwei volle Tage in Pucón habe ist mein Plan am ersten Tag einen der Nationalparks zu besuchen und am zweiten dann im Thermalbad zu relaxen. Dabei hab ich die Rechnung aber ohne die chilenischen Behörden gemacht – die Besucheranzahl der Nationalparks ist stark beschränkt. Nur 300 Personen dürfen täglich in den Park, damit man reingelassen wird muss man vorher seinen Platz reservieren. Für meinen zweiten vollen Tag in Pucón ist zum Glück noch ein Platz frei, trotzdem muss ich ein wenig umdisponieren.

    Ich schlafe mich am ersten Tag also Mal aus – anscheinend war die Ruhe im Nachtbus doch nicht so erholsam – und mache mich gegen Mittag auf den Weg zu einer Attraktion in der Nähe. Die Ojos del Caburgua, eine Reihe von Wasserfällen, sind ein beliebtes Ausflugsziel für einige Stunden. Die rund 20 Kilometer dorthin lege ich mit einem Bus zurück. Dabei fühle ich mich direkt in die Schulzeit zurück versetzt, denn so wie der Busfahrer die Passagiere in den Bus schlichtet könnte er früher Schulbusfahrer bei der GKB gewesen sein.

    Am nächsten Tag geht es zeitig in der früh, wieder mit dem gleichen Busunternehmen, zum rund eine Stunde entfernten Parque Nacional Huerquehue. Täglich gibt es drei Fahrten von Pucón zum Nationalpark und retour. Die Erste um 08:30 Uhr, die letzte Rückfahrt ist um 17:10 Uhr.

    Am Park angekommen werden wir in Zehnergruppen von einem Park Ranger über die Verhaltensregeln im Park sowie die Wanderrouten aufgeklärt. Am beliebtesten ist die Wanderung Los Lagos, welche zu einer Gruppe von Bergseen führt. Unterwegs gibt es noch einige Male die Option einen kleinen Umweg einzulegen um Wasserfälle zu sehen.

    Ausblick vom ersten Aussichtspunkt. Der Wanderweg startet am linken Ufer des Sees.

    In der Früh ist es noch ein wenig neblig, doch schon bald setzt sich die Sonne durch und gibt den Blick auf eine Landschaft frei, die man so ohne weiteres auch in Österreich findet. Lediglich Flora und Fauna sind ein wenig anders, neben gefühlt einer Million Eidechsen gibt hier auch die Araukarie. Dieser Nadelbaum, nach dem die chilenische Region rund um Pucón benannt ist, wirft im Alter von rund 100 Jahren seine unteren Äste ab, was ihm sein markantes aussehen verleiht. Leider ist der Baum heute vom Aussterben bedroht.

    Eine Araukarie

    Gegen Mittag komme ich am Ersten der Seen an. Hier merkt man, das nur 300 Personen in den Park dürfen – nur eine Hand voll Menschen macht eine Jausenpause direkt am See. Nach einer Stärkung geht’s noch zu zwei weiteren Seen, bevor ich mich wieder auf den Weg zurück mache um meinen Bus nicht zu verpassen.

    Laguna Toro

    Unterwegs lege ich noch einen Stopp bei der einzigen Labestation im Park ein. Hier werden Schwarzbeer- und Himbeerkuchen sowie selbst produziere Fruchtsäfte verkauft. Nach rund 15km und 700 Höhenmetern bin ich wieder bei der Bushaltestelle. Staubig und verschwitzt, wie auch alle anderen Passagiere im Bus, geht es zurück nach Pucón. Jetzt ist erst Mal duschen angesagt.

  • Mit dem Nachtbus nach Pucón

    Mit dem Nachtbus nach Pucón

    Schon lange bevor FlixBus und Co. das Reisen mit dem Bus in Europa modern gemacht haben, war der Bus in Lateinamerika das beliebteste Mittel um kurze und mittlere Strecken zu überwinden. Dementsprechend gibt es auch in Chile ein gut ausgebautes Busnetz, welches ich für meine Fahrt von Valparaíso nach Pucón nutze.

    Abfahrt am Busterminal ist um 20:00 Uhr, die Ankunft im rund 900km entfernten Pucón ist um 09:00 Uhr geplant. Ganz geht sich das am Ende nicht aus, wir erreichen unser Ziel erst gegen 10:00 Uhr. Das liegt auch daran, dass der Bus doch öfters einen Stop einlegt und Fahrgäste nicht nur an den Haltestellen, sondern quasi auch vor der Haustür absetzt.

    Die 14 Stunden Fahrt gestalten sich recht angenehm, da auch der Bus dementsprechend ausgestattet ist. Für weitere Strecken wird eine Variante mit Liegesitzen eingesetzt, welche der Business Class im Flugzeug ähneln und sich fast komplett umlegen lassen:

    Busausstattung in Chile

    Angekommen in Pucón sticht als erstes das Wahrzeichen der Region ins Auge – der Vulkan Villarica. Der 2847m hohe Vulkan, der zuletzt 2019 ausgebrochen ist, kann in Pucón von fast jeder Stelle aus gesehen werden. Neben dem Vulkan gibt’s auch noch in einen See, direkt dort liegt auch mein Quartier für die nächsten Tage:

  • Viña del Mar

    Viña del Mar

    In der Bucht direkt gegenüber von Valparaíso liegt eine Stadt, die kaum unterschiedlicher sein könnte. Mit seinen Palmen, Sandstränden, Hotelanlagen und sogar einem Casino ist sie vor allem im Sommer ein Tourismusmagnet. Sogar der chilenische Präsident hat hier seine Sommerresidenz. Mit rund 350.000 Einwohnern ist Viña del Mar knapp größer als sein Zwilling.

    Der einfachste Weg um von Valparaíso nach Viña del Mar zu kommen ist der Zug. Nach ungefähr 15 Minuten ist man am Ziel und fast in einer anderen Welt. Hier gibt es keine Hügel, dafür umso mehr Platz. Alles wirkt auch etwas aufgeräumter als in Valparaíso. Direkt an meiner Haltestelle Miramar befindet sich auch eine der Sehenswürdigkeiten von Viña – die Blumenuhr:

    Die Blumenuhr

    So spaziere ich die Promenade entlang, am Casino vorbei, bis zu einem Haus das hier irgendwie nicht hinpasst. Die rund 100 Jahre alte Villa eines deutschstämmigen Industriellen gleicht eher einem europäischen Schloss:

    Castillo Wulff

    Nachdem es die letzten beiden Tage eher wechselhaft war, sauge ich die Sonne auf, bevor ich mich auf den Weg zurück nach Valparaíso mache. Am Abend geht’s dann mit dem Nachtbus noch ein gutes Stück weiter in den Süden, davon aber beim nächsten Mal mehr. Hier noch ein paar Eindrücke aus Viña del Mar:

  • Valparaíso – das kulturelle Herz Chiles

    Valparaíso – das kulturelle Herz Chiles

    Valparaíso, früher eine der bedeutendsten Hafenstädte im ganzen Pazifikraum, hat ihren Glanz längst eingebüßt. Einst zog es britische, deutsche und jugoslawische Einwanderer hierher, heute flüchten immer mehr Menschen aus der Stadt. Abgesehen vom Hafen und Tourismus gibt es kaum größere Arbeitgeber, auch diverse Erdbeben und Feuer in den letzten 15 Jahren haben Valparaíso zugesetzt. Von den 30 Standseilbahnen und Aufzügen, welche das erklimmen der vielen Hügel erleichtern sollen, sind heute nur noch eine Hand voll in Betrieb.

    Blick auf die Stadt von einem der Cerros aus

    Viele Häuser sind heruntergekommen, stehen leer oder gleichen eher einer Mülldeponie. Auf der Straße trifft man an fast jeder Ecke einen der unzähligen streunenden Hunde. Generell macht alles einen schmutzigen Eindruck, man wünscht sich fast das es ein paar Tage durchregnet, damit die Straßen einmal sauber werden.

    Einer der Hügel der Stadt

    Und trotzdem hat Valpo, wie die Stadt von den einheimischen genannt wird, seinen Charme. Unzählige kleine Bars und Restaurants laden zum Verweilen ein, viele Häuser und Mauern wurden im Auftrag der Eigentümer von Graffiti-Künstlern verziert. In den touristischen Gegenden verkaufen Menschen selbst hergestelltes Kunsthandwerk und fast jeder Metro-Wagon hat seinen eigenen Straßenmusikanten. Hier kommt die künstlerische Ader der Stadt voll zur Geltung.

    Aber auch mit durchaus interessanter Architektur kann Valparaíso punkten. Da sind einerseits die Häuser aus der Hochzeit der Stadt, welche mangels anderer Baustoffe aus dem Verpackungsmaterial der ankommenden Schiffsladungen erbaut wurden. Oder die einzelnen Nachbarschaften, in denen sich der Einfluss der europäischen Einwanderer zweifellos wiederspiegelt. Gut verständlich, dass die UNESCO die Altstadt zum Weltkulturerbe ernannt hat.

    Unterm Strich ist Valparaíso auf jeden Fall einen Besuch wert. Vor allem dann, wenn man diesen mit einem Ausflug in seine, auf gegenüberliegender Seite der Bucht liegenden, „Zwillingsstadt” kombiniert. Aber dazu später mehr…