La Boca – das bunteste Viertel Buenos Aires‘

Heute ist La Boca einer der berühmtesten Stadtteile von Buenos Aires und bei Touristen sehr beliebt. Um herauszufinden wie es dazu kam und weshalb das Viertel im Südwesten der Stadt so beliebt ist, habe ich es bei einer Tour näher erkundet.

Meine Tour startet um 11:00 Uhr, perfekt um vorher noch direkt Vorort zu frühstücken. In dem Café fallen mir gleich mehrere Dinge auf. Im Gegensatz zu den Lokalen in der Innenstadt bin ich der einzige Tourist, die anderen Gäste sind Pensionisten sowie Straßenkünstler, die sich für den Ansturm der Gäste stärken. Gleichzeitig sind auch die Preise hier um einiges günstiger, mein Kaffee mit drei Facturas (kleinen Kipferl) kostet umgerechnet einen Euro. Und der Fussball ist hier so etwas wie eine Religion.

Die Brücke(n) Nicolás Avellaneda

Startpunkt der Tour ist jener Ort, der dem Bezirk den Namen gegeben hat. La Boca bedeutet auf deutsch Der Mund, genau hier mündet nämlich der Fluss Riachuelo in den Rio de la Plata. Denn Buenos Aires liegt gar nicht am Meer, sondern an einer der breitesten Flussmündungen der Welt, dort wo der Rio de la Plata und Rio Uruguay zusammentreffen.

Hier in La Boca sind im 19. und 20. Jahrhundert unzählige Einwanderer aus Europa gelandet, angelockt vom Versprechen nach Land und Reichtum. Und hier steht auch eines der Wahrzeichen des Viertels, zwei Brücken, die nach dem früheren Präsidenten Nicolás Avellaneda benannt wurden. Diese Schwebefähren sind die einzigen ihrer Art außerhalb von Europa.

Die Flussmündung des Riachuelo

Die Gewässer rund um La Boca galten für lange Zeit als einige der schmutzigsten der Welt. Seit rund 10 Jahren wird die Verschmutzung intensiv bekämpft, doch auch heute finden sich im Wasser noch Bakterien, die ein Schwimmen darin unmöglich machen.

Direkt hier an der Mündung steht auch die Statue eines der berühmtesten Söhne von La Boca. Benito Quinquela Martín, ein Maler, der seine Kunstwerke mit einer Spachtel schuf. Selbst ein Waise, nutzte er sein durch die Kunst angehäuftes Vermögen um Schulen und Krankenhäuser zu finanzieren.

Benito Quinquela Martín

Dann geht es in das Herz von La Boca, den Caminito, eine Straße und Open Air Museum zugleich. In dieser, von der UNESCO zum Weltkulturerbe erhobenen, Passage findet man noch die traditionellen Gebäude vom Beginn des 20. Jahrhunderts. Ähnlich wie in Valparaíso aus Verpackungsmaterial der unzähligen Schiffe, welche zu dieser Zeit im Hafen von La Boca anlegten, erbaut. Zu seiner Hochzeit war La Boca nach New York der wichtigste Atlantikhafen am Amerikanischen Kontinent.

Ein Innenhof im Caminito

Hier finde ich auch einige Straßenkünstler aus dem Café wieder. In voller Tango-Montour stehen sie bereit für einen Tanz oder Fotos mit den Touristen. Das kommt nicht von ungefähr, so soll der Tango doch in diesen Straßen geboren worden sein. Einwanderer aus unterschiedlichsten europäischen Regionen, die hier auf engstem Raum lebten und gemeinsam musizierten, dazu afrikanische Rhythmen und fertig war ein Stück lateinamerikanische Lebensfreude.

Zum Reichtum haben es nur sehr wenige der Einwanderer gebracht. Denn in der Besessenheit darauf, die europäischen Trends nachzubilden, hat man irgendwann den Anschluss verpasst. Schon lange laufen die Schiffe nicht mehr La Boca an, sondern den neuen, modernen Hafen ein paar Kilometer weiter nördlich. So gibt es hier heute, abseits vom Tourismus, kaum Jobs. Unser Tour Guide gibt uns an dieser Stelle mit, das es besser ist das Viertel vor Einbruch der Dunkelheit zu verlassen.

Doch trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, sind die Straßen farbenfroh wie sonst kaum irgendwo. Doch auch gesellschaftskritische Streetart gibt es hier zu Hauf. So etwa ein Mural, welches an die während der letzten Militärdiktatur verschwundenen Menschen erinnert:

Und auch die Feuerwehr hat hier einen sehr hohen Stellenwert. Da die Gebäude in La Boca fast ausschließlich aus Holz bestanden, war eine effiziente Feuerwehr wichtig um Katastrophen zu verhindern. Noch heute zollt man allen Mitgliedern der Feuerwehr großen Respekt:

Einer der hier in La Boca auch nicht fehlen darf ist der argentinische Fussballgott Diego Maradona. Sein Club, die Boca Juniors, ist unzertrennlich mit dem Stadtteil verbunden. Nur passend, das unsere Tour am Stadion endet. La Bombonera, die Pralinenschachtel, laut Pelé das einzige Stadion in dem man sich mehr davor fürchtet zu gewinnen als zu verlieren. Auch wenn das Stadion, wie so viele Orte hier in La Boca, sicher schon bessere Zeiten gesehen hat, ein imposanter Anblick.

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