Der blaue Markt Argentiniens

Seit vielen Jahren zählt Argentinien zu den Ländern mit der weltweit höchsten Inflationsrate. Allein im Jahr 2021 verlor der argentinische Peso mehr als 50% seiner Kaufkraft. Hinzu kommt, das vielen Menschen hier die argentinische Finanzkrise Anfang des Jahrtausends nur zu gut in Erinnerung ist.

Daher versuchen viele Menschen ihr Geld in Sicherheit zu bringen, indem sie es gegen stabilere Währungen wie Euro oder US-Dollar tauschen. Das machen sie mit teils heftigen Abschlägen, wodurch sich parallel zum offiziellen Wechselkurs ein zweiter etabliert hat – genannt Blue Dollar bzw. Blue Euro.

Eine Möglichkeit davon zu profitieren ist, seine mitgebrachten Dollars und Euros bei Straßenhändlern zu tauschen. Diese findet man hier im Zentrum der Stadt an fast jeder Ecke. Anstelle des offiziellen Wechselkurses von einem Euro zu 120 Pesos bekommt man so rund 230 Pesos für den Euro – fast das doppelte.

Wem das aber ein wenig zwielichtig vorkommt oder kein Bargeld aus der Heimat mitgebracht hat, keine Sorge – es gibt nämlich eine noch bessere Option. Western Union bietet einen Kurs von einem Euro zu 250 Pesos an, also sogar mehr als das doppelte. Alles was man dazu tun muss, ist, sich via Western Union selbst Geld zu schicken. Das geht mittels App, vom heimischen Konto aus oder via Kreditkarte. Danach ab zur nächsten Western Union Filiale, mit dutzenden anderen Touristen in der Schlange anstehen und nach einer halben Stunde hält man seine Pesos in der Hand.

Einer der vielen Western Union Standorte in Buenos Aires

Somit kostet alles, was man danach in Bar bezahlt, nur die Hälfte. Das ist gerade hier im Zentrum der Stadt praktisch, da es die Preise in den Cafés und Restaurants in sich haben. Für ein Frühstück sind pro Person schnell Mal 1000 Pesos weg, für ein Abendessen 2-3000. Rechnet man das mit dem offiziellen Kurs um, sind das Preise, mit denen man auch in Österreich gut dabei ist.

Für Touristen gut, für viele Einheimische aber eine Katastrophe. In noch kaum einem anderen Land der Welt hab ich derart viele Obdachlose Menschen gesehen wie hier in Buenos Aires. Man kann nur hoffen, das Argentinien seine Finanzen endlich in Ordnung bringen kann. Doch wenn man mit den Einheimischen spricht, scheint das eine Herkulesaufgabe zu sein, zu tief verwurzelt ist das Misstrauen der Bevölkerung in die Regierung und die eigene Währung.

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