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Santa Cruz de la Sierra – Bolivien

Nach gut drei Wochen in Brasilien ist es an der Zeit für mich zu meiner nächsten Destination aufzubrechen. Ich lasse die Strände hinter mir und mache mich auf in das Hochland von Bolivien. Damit die Umstellung nicht zu extrem wied, ist mein erster Stopp in Bolivien die größte Stadt des Landes – Santa Cruz de la Sierra. Diese rasant wachsende Stadt mit knapp 2 Millionen Einwohnern liegt auf 400 Metern Seehöhe und ist vom Klima her noch mit Brasilien vergleichbar.

Palmen am zentralen Platz von Santa Cruz Als ich am internationalen Flughafen Viru-Viru ankomme bin ich erstmal erstaunt. Der Flughafen wirkt nicht so, als würde er zu einer Millionenstadt gehören, sondern wie eine etwas größere Version des Grazer Flughafens. Auf dem Weg zu meinem Hostel setzt sich dieser Eindruck fort. Kaum ein Gebäude hat mehr als zwei oder drei Stockwerke, wo anderswo in die Höhe gebaut wird, gibt es hier anscheinend genug Platz um in die Breite zu gehen. So hab ich das Gefühl durch eine ewig lange Vorstadt zu fahren, obwohl ich schon fast im Zentrum der Stadt bin.

Eine typische Straße im Zentrum Meine Unterkunft liegt in Mitten eines Straßenmarktes, wo über gut 10 Blöcke hinweg allerhand angeboten wird. Direkt vor dem Eingang meines Hostels hauptsächlich Putz- und Reinigungsmittel, zwei Straßen weiter gibt es Gemüse. In anderer Richtung werden gebrauchte Möbel und Elektrogeräte verkauft, gefolgt von der Smartphone und HiFi Ecke. Vorbei an den Molkereiprodukten, die hier bei gut 30º Celsius ungekühlt Angeboten werden, geht’s hin zur Fleischabteilung. Reihenweise hängen hier gerupfte Hendln, Rindfleisch und andere Sorten die ich nicht kenne an der frischen Luft. Dazwischen gibt es Menschen, die frische Fruchtsäfte und am Spieß gegrilltes verkaufen.
Ich geh lieber auf Nummer sicher und hol mir mein Abendessen in einem der vielen Restaurants. Besonders beliebt sind hier die Churrascarias. Diese Restaurants servieren gebratenes Fleisch, begleitet von einem Salat- und Beilagenbuffet. Vor allem am Wochenende sind diese Lokale gut gefüllt.

Ein Steak in einer Churrascaria – kostet inklusive einem Liter Bier rund 10 Euro. Eine der beliebtesten Sehenswürdigkeiten in Santa Cruz ist die Kathedrale ganz im Zentrum der Stadt. Wer möchte kann für umgerechnet 40 Cent auf einen der Glockentürme hinaufsteigen um einen tollen Überblick über die Stadt zu bekommen. Leider hat es bei meinem Besuch geregnet, weshalb die Weitsicht nicht sehr gut war. Neben einigen Museen gibt es dann auch noch etwas, das ich in Rio schon gesehen habe – eine überdimensionale Christusstatue. Zwar um einiges kleiner als jene in Brasilien, aber trotzdem einen kurzen Abstecher wert.

Die Kathedrale von Santa Cruz Doch das ist noch lange nicht alles, was es hier zu sehen gibt. Für einige Attraktionen muss man ein paar Kilometer aus der Stadt raus – und eine davon werde ich euch beim nächsten Mal vorstellen.





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São Paolo – das Wirtschaftszentrum Brasiliens

Nicht weit entfernt von Rio de Janeiro liegt eine weitere Megastadt, die von vielen Touristen ignoriert wird. Dabei kommt man, wenn man Brasilien mit dem Flugzeug bereist, fast zwangsläufig mit ihr in Berührung. Die Rede ist von São Paolo, dem industriellen, finanziellen und kulturellen Zentrum des Landes. Mit mehr als 12 Millionen Einwohnern ist sie die größte Stadt Brasiliens und eine der größten Metropolregionen der Welt. Gleichzeitig ist die Stadt einer der Hauptverkehrsknoten des Landes.

Ein Busbahnhof in São Paolo Nachdem ich bei allen meinen Flügen in Brasilien hier zwischengelandet bin, hab ich mich dazu entschieden einen etwas längeren Layover einzulegen und zwei Tage in Sao Paolo zu bleiben. Leider habe ich niemanden gefunden, der eine Walking Tour durch die Straßen der Stadt anbietet – auch ein Zeichen dafür, dass der Tourismus hier nicht oberste Priorität hat. Somit hab ich mir als Plan B auf Google Maps die besten Sehenswürdigkeiten herausgesucht und meine eigene Tour gestartet.

Die Kathedrale von São Paolo Mein Startpunkt war die Kathedrale der Stadt. Während diese sowohl von außen als auch innen beeindruckt, wird hier gleich ein großes Problem der Stadt offensichtlich. Rundherum tummeln sich hunderte Obdachlose und zahllose streunende Hunde, alles ist verdreckt. Auch wenn die Polizei anwesend ist – hundertprozentig sicher fühle ich mich nicht. Der Anblick wiederholt sich an anderen Stellen der Stadt, die Armut vieler Menschen ist hier um einiges offensichtlicher als etwa in Rio.

Das Finanzviertel Weiter geht mein Spaziergang durch das Finanzviertel der Stadt. Dieses ist übersäht mit imposanten Hochhäusern, die meisten Menschen hier tragen Anzug statt Flip-Flops. Ein Stück weiter gibt es eine Straßenmarkt, wo es von Früchten über Kleidung bis hin zu Elektronik alles zu kaufen gibt. Dann komme ich zu einem interessanten Einkaufszentrum. Hier gibt es alles, was das Rock- und Metal-Herz höher schlagen lässt. Auf drei Stockwerken gibt es Bandshirts, CDs und Schallplatten sowie dutzende Tattoo und Piercing Studios.

Ausblick vom Rock-Einkaufszentrum Als Kulturstadt darf natürlich auch ein Theater nicht fehlen. Deshalb ist mein nächster Stopp das Theater Municipal, welches von den italienischen Opernhäusern inspiriert wurde. Generell wirkt São Paolo sehr kosmopolitisch, was auch an den vielen Einwanderen aus aller Welt liegen mag. Neben Europäern findet man hier vor allem Menschen aus Japan, China und Korea.

Theater Municipal Wie überall in Brasilien ist Fußball auch in São Paolo Sport Nummer eins. Doch die Stadt kann auch auf eine bewegte Motorsportgeschichte, vor allem in der Formel 1 zurück blicken. Auf der Rennstrecke im Stadtteil Interlagos findet jährlich ein Rennen statt und neben Felipe Massa und Rubens Barrichello wurde auch Ayrton Senna hier geboren.

Ayrton Senna mit seinem Physiotherapeuten So geht meine Tour zu Ende und ich habe das Gefühl nur an der Oberfläche gekratzt zu haben. São Paolo hat definitiv mehr zu bieten als nur seine Flughäfen und Bahnhöfe, bei meinem nächsten Zwischenstopp hier werd ich wohl wieder ein paar Tage bleiben.
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Florianópolis – die magische Insel

Etwa zwei Flugstunden Südwestlich von Rio de Janeiro liegt Florianópolis, die Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Santa Catarina. Von vielen liebevolle Floripa genannt, trägt die Stadt noch einen zweiten Kosenamen – Ilha da Magia, die magische Insel. Ich bin nach Floripa geflogen, um zu sehen was es damit auf sich hat.

Die Insel von oben Das Highlight der Insel sind zweifellos die über 40 Strände, welche Besucher anlocken. Manche einfach mit dem Auto erreichbar, einige aber gut versteckt und nur nach einer kurzen Wanderung zu finden. Auch nach Themengebiet lassen sich die Strände unterscheiden. Da sind die klassischen Familienstrände zum relaxen, solche die hauptsächlich Surfer anziehen sowie der eine oder andere FKK Strand. Das Klima ist ähnlich wie in Rio de Janeiro – Anfang März ist es hier heiß und schwül.

Einer der vielen Strände in Floripa Zu den weiteren Aktivitäten gehören Stand-up Paddling am See, welchen man in der Mitte der Insel findet oder Sandboarding. An einigen Dünen kann man mit dem Snowboard talwärts düsen. Wobei düsen wohl der falsche Ausdruck ist, da die Dünen relativ flach sind.

Die Dünen zum Boarden Doch auch abseits der Strände gibt es einiges zu sehen. Das Stadtzentrum im Kolonialstil mit Marktplatz, die Kathedrale oder die Brücke, welche Floripa mit dem Festland verbindet. In den Seitenstraßen findet man Bars, wo am Wochenende auch gerne die eine oder andere Samba-Gruppe live zu hören ist. Nachts erwachen die Discos der Insel zum Leben und laden zum Tanzen ein.

Die Kathedrale von Floripa Hat mich die magische Insel nun verzaubert? Nein, aber dazu war ich vielleicht auch zu kurz hier. Trotzdem ist mir jetzt klar, warum Florianópolis zu einem der beliebtesten Urlaubsziele Brasiliens zählt. Hier ist für jeden Geschmack etwas dabei, fad wird einem an diesem Ort sicher nicht.






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So ein Käse – die brasilianische Küche

Denkt man an brasilianische Spezialitäten kommen einem wohl drei Dinge in den Sinn. Exotische Früchte, Caipirinhas und Unmengen an Fleisch, wie man es aus vielen brasilianischen Restaurants in Europa kennt. Doch nach einigen Wochen hier ist klar – Milchprodukte, allen voran Käse, zählen zu den beliebtesten Nahrungsmitteln des Landes. Aber auch Einflüsse aus der österreichischen Küche lassen sich finden. Nicht zuletzt wurde auch die zweitgrößte Molkerei Brasiliens – Tirol Milch – von österreichischen Auswanderern gegründet.
Eine Spezialität, die man in jeder Bäckerei findet, ist das Pão de queijo. Zu deutsch Käsebrot, hat das Gebäck mit einem aus Österreich bekannten Käsebrot wenig zu tun. Pão de queijo sind runde Bällchen, deren Teig einen hohen Kaseanteil enthält. Dabei gibt es verschiedene Varianten in unterschiedlicher Größe und mit unterschiedlichen zusätzlichen Füllungen.

Pão de queijo Ein Brot mit Käse Geschmack ist jetzt nichts wirklich außergewöhnliches. Doch auch zu Nahrungsmittel, wo man sich eigentlich denkt da passt kein Käse dazu, wird dieser gerne hinzugefügt. So zum Beispiel zu einer, an sich süßen, Waffel zum Frühstück.

Käse-Waffel Ein Gericht, das nicht nur in Brasilien, sondern auch in Argentinien und Uruguay beliebt ist, ist die Milanesa. Dabei handelt es sich um nichts anderes als ein Schnitzel, standardmäßig mit Rindfleisch. Hiervon gibt es auch eine Variante, die so manchen Schnitzel-Puristen zum Weinen bringen könnte. Bei der Milanesa Napolitana wird das fertige Schnitzel mit Schinken und Käse überbacken, sowie mit einer Tomatensoße getränkt.

Milanesa Napolitana Natürlich darf hier in Brasilien auch gebratenes Rindfleisch in jeglicher Form nicht fehlen. Als Beilage sehr beliebt ist neben Reis und Pommes auch eine Sauce mit Bohnen. Diese sind auch ein Hauptbestandteil des brasilianischen Nationalgerichtes – der Feijoada. Klassisch besteht diese aus einem Eintopf von Fleisch und Bohnen, dazu gibt’s Reis, geröstetes Maniokmehl und Grünkohl mit frittierter Schweinsschwarte.

Die Feijoada Viele Brasilianer haben es gerne süß, dementsprechend gibt es auch eine große Auswahl an Süßspeisen. Aber es heißt Aufpassen, mehr als einmal hat sich ein vermeintliches Schokoladencrossaint als salzige Überraschung entpuppt. Süß und salzig werden gerne kombiniert. Eindeutig auf der süßen Seite ist Açaí. Die Beeren dieser Pflanze werden zu einem Sorbet verarbeitet und pur oder in Kombination mit anderen Früchten genossen.

Acai mit Erdbeeren Bleiben die Getränke, auch hier gibt es Bezug zu Österreich. Während viele Biersorten deutsche Namen tragen, zum Beispiel Eisenbahn, gibt’s auch ein Wienbier. Und dann ist da natürlich noch die Essenz des brasilianischen Lebensgefühls – der Caipirinha. Ob klassisch mit Cachaça und Limonen oder ausgefallener mit Vodka und Maracuja, fehlen darf er auf keiner Speisekarte. Und in der Sonne am Strand schmeckt er gleich doppelt so gut 🙂

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Cristo Redentor

Mit weit ausgebreiteten Armen, hoch am Gipfel des 710 Meter hohen Corcovado steht das wohl bekannteste Wahrzeichen der Stadt. Von hier aus überblickt Cristo Redentor, was so viel bedeutet wie Christus der Erlöser, Rio de Janeiro. Mit seinen 30 Metern Höhe (ohne den 8 Meter hohen Sockel) sowie einer Spannweite von 28 Metern ist die Statue auch in der Stadt von fast überall aus zu sehen.

Cristo Redentor vom Forte de Leme An sich war die Errichtung der Statue für den 100. Jahrestag der Unabhängigkeit Brasiliens gedacht. Aufgrund von finanziellen Problemen wurden die Bauarbeiten aber erst rund 10 Jahre später abgeschlossen. Im Jahr 2006 wurde Cristo Redentor schließlich zum Wallfahrtsort ernannt.

Die Rückseite der Statue Der Corcovado samt Statue befindet sich im Tijuca-Nationalpark, welcher die grüne Lunge von Rio de Janeiro ist. Um zur Christusstatue zu kommen gibt es viele Optionen. Man kann einen der Wanderwege im Park nutzen, mit dem Bus anreisen oder die spektakuläre Aussicht mit der Corcovado Bergbahn genießen. Ich bin mit der ersten Zahnradbahn des Tages, welche vom Startpunkt rund 20 Minuten bis zum Gipfel braucht, gefahren. Von der Bergstation sind es dann noch ein paar Stufen bis man das Monument erreicht.

Was sich bei der Fahrt hinauf schon abgezeichnet hat trifft hier voll zu. So beeindruckend die Statue selbst ist, der Ausblick auf Rio de Janeiro ist fast noch imposanter. Egal ob Zuckerhut, Copacabana oder Maracanã, alles kann man hier von oben bestaunen.

Blick auf den Zuckerhut hinab Zum Zeitpunkt meines Besuches findet gerade ein Gottesdienst statt, dementsprechend geht es dicht gedrängt her. Jeder möchte natürlich ein Selfie mit der Statue haben, hinzu kommt dass die Plattform am Gipfel nicht sehr groß ist.

Im Sockel der Statue befindet sich übrigens eine Kapelle, ansonsten kann man das Innere der Statue nicht betreten. Etwas unterhalb gibt es ein Café, bei dem ich mir erst Mal ein Frühstück hole. Vielleicht sollte ich euch beim nächsten Mal mehr über das Essen hier in Brasilien erzählen.






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Die Favela Santa Marta

Während viele Tourismusgegenden hier in Rio glamorös wirken und jeden erdenklichen Luxus bieten, lebt eine Vielzahl der Cariocas in sehr bescheidenen Bedingungen. Hoch oben in den Hügeln von Rio de Janeiro liegen die Favelas, welche einen zweifelhaften Ruhm tragen. Gewalt unter rivalisierenden Drogenbanden steht hier vielerorts auf der Tagesordnung, die Stadtverwaltung mischt sich lieber nicht ein. Um zu sehen was es damit wirklich auf sich hat habe ich eine geführte Tour gebucht und lasse mir von einem Einheimischen das Leben hier näher bringen.
Gleich vorweg, die Favela von Santa Marta gilt als eine der friedlichsten von ganz Rio. Trotzdem sollte man es sich zweimal überlegen, hier ohne Guide unterwegs zu sein. Und auch mit Guide gibt es einige Regeln zu beachten, so sind Fotos etwa nur an bestimmten Stellen erlaubt und auch auf seine Wertgegenstände sollte man besonders achten.
Meine Tour startet am Fuß des sehr steilen Hügels. An sich gibt es eine Zahnradbahn, welche den Aufstieg erleichtert, diese ist im Moment aber außer Betrieb. So geht es über verwinkelte Treppen hinauf zu unserer ersten Station – dem quasi Gemeindeamt der Favela. Die Favela funktioniert nämlich wie eine Stadt innerhalb der Stadt, inklusive einer demokratisch gewählten Vertretung. Zugleich ist hier auch die Stelle, wo die Post für die tausenden Bewohner zugestellt wird. Infrastruktur wie in den andern Stadtteilen sucht man hier vergeblich, Steuern zahlen müssen die Bewohner trotzdem.

Im oberen Bereich des Gemeindeamtes gibt es Aufenthaltsräume und eine kleine Bibliothek Gebaut wird mit allem, was verfügbar ist. Früher war das hauptsächlich Holz, heute Ziegel. Dabei wird versucht wirklich jede Ressource wiederzuverwenden. Oft leben mehrere Generationen in einem Haus, die jüngste fügt einfach ein Stockwerk hinzu. Bauvorschriften gibt es keine, genauso gibt es keine Kanalisation. Das Abwasser wird in oberflächlichen Kanälen ins Tal geleitet, wo es in der Kanalisation von Rio landet. Dementsprechend ist der Gestank mancherorts kaum auszuhalten.
Auf halbem Weg nach oben dann eine gute Nachricht, der Rest des Weges kann mit der Zahnradbahn zurückgelegt werden. Diese dient, neben dem Personentransport, auch dazu, Lebensmittel und Vorräte ganz nach oben zu bringen, denn Straßen gibt es keine. Tickets für die Bahn übrigens auch nicht, anstatt dessen kaufen wir einer Gruppe Burschen, die in der Nähe Fußball spielt, ein paar Flaschen Cola. Die Zugführerin ist zufrieden und nimmt uns mit.

Ein Kunstwerk am Gipfel der Favela Von ganz oben bietet sich dann ein herrlicher Ausblick über Rio. Hier, im unzugänglich Gelände, hatte die Favela ihren Ursprung. Nach dem Ende der Sklaverei in Brasilien im Jahr 1888 siedelten sich die ehemaligen Sklaven hier an, weit Weg vom Zugriff des Staates. Über die Jahrzehnte wuchs die Favela dann nach unten, bis an die Stadtgrenze von Rio. Doch eines ist geblieben, auch heute noch sind ein Großteil der Bewohner Nachfahren der einstigen Sklaven.

Blick über die Favela Scheinbar vergessen leben die Menschen hier, oft ohne Aussicht auf ein besseres Leben. Vor allem junge Menschen sehen Kriminalität und Drogenhandel als Ausweg, was den Favelas auch ihren Ruf als gefährliche Orte einbringt. Doch es gibt auch Menschen, die versuchen, der Jugend eine andere Perspektive zu geben. So besuchen wir ein Haus, welches von einem Bewohner zum Musikzentrum umgestaltet wurde. Hier können junge Menschen Instrumente lernen, um vielleicht eines Tages bei den berühmten Karnevalsumzügen mitzuwirken. Und natürlich wird auch an jeder Ecke Fußball gespielt.

Auch Street Art findet man hier an vielen Stellen Einer, der einen großen Anteil daran hat, dass die Favela Santa Marta heute als eine der friedlichsten gilt und Touristen anzieht ist der King of Pop, Michael Jackson. Als er die Idee hatte, einen Teil des Musikvideos zu They don’t care about us hier zu drehen, war der Aufschrei groß. Die Behörden versuchten die Dreharbeiten zu verbieten, weshalb Jackson direkt mit dem Hubschrauber am Fußballplatz am Gipfel der Favela landete. Ganz in der Nähe davon befindet sich heute der Michael Jackson Platz inklusive Statue des Sängers.

Michael Jackson Rund um den Platz gibt es eine Bar sowie einige Souvenirläden. In einem davon zeigt uns die Eigentümerin stolz das Musikvideo, in dem sie auch für einige Sekunden zu sehen ist. Auch nach dem Videodreh soll Michael Jackson die Favela finanziell unterstützt haben, weshalb er von vielen der Einwohner heute noch verehrt wird.

Eine geflieste Michael Jackson Briefmarke Zu Fuß machen wir uns dann wieder auf den Weg nach unten. Durch ein Labyrinth von Stiegen und Gassen, in dem wir ohne Guide garantiert verloren wären. Vorbei an Menschen, die ihre Häuser aufstocken, Kindern, die sich im Planschbecken abkühlen, sowie einer ganzen Menge an Hunden und Katzen, die hier auf engstem Raum mit den Bewohnern der Favela leben. Bewaffnete Person habe ich übrigens in den drei Stunden hier keine einzige gesehen. Hoffentlich ein Zeichen dafür, dass sich dieser Ort weiterentwickelt und die nächsten Generation frei von Gewalt aufwachsen kann.






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Maracanã – der brasilianische Fußballtempel

Der Nationalsport hier in Brasilien ist ganz klar Fußball. Somit ist es auch nicht verwunderlich, das im Land des Rekordweltmeisters eines der geschichtsträchtigen Stadien der Welt steht – das Maracanã. Bei seiner Eröffnung im Jahr 1950 war es mit einer Kapazität von 200.000 Zusehern das größte Fußballstadion der Welt.

Das Stadion von aussen In nur rund zwei Jahren wurde das Stadion damals für die Fußball Weltmeisterschaft in Brasilien aus dem Boden gestampft. Natürlich fand auch das Endspiel dort statt, in welchem die Mannschaft aus Uruguay das Team aus Brasilien überraschen konnte und 2:1 gewann.

Pelé darf im Maracanã natürlich auch nicht fehlen Nach dem Einsturz einer Tribüne im Jahr 1992 wurde das Stadion modernisiert und die Kapazität massiv verringert. Für die Fußball Weltmeisterschaft 2014 sowie die olympischen Spiele 2016 wurde das Stadion komplett renoviert, sodass es heute knapp 75.000 Zuseher fasst. Schlussendlich fand hier auch das Finale der WM statt, in welchem Deutschland das Team aus Argentinien besiegte.

Ein Modell des heutigen Stadions Um das Stadion zu besichtigen kann man einfach direkt beim Eingang des Museums vorbeischauen und dort ein Ticket kaufen. Was man nicht machen sollte ist, so wie ich, eine halbe Stunde an der Stadionkasse anstehen, da gibt’s nämlich nur Tickets für die nächsten Partien. Aufgrund der Pandemie gibt es aktuell keine geführten Touren, die Ausstellungsstücke haben aber alle auch eine Erklärung auf Englisch.

Eine der Umkleidekabinen Die Tour startet mit einem Who-is-who der brasilianischen Fußballgeschichte sowie Fußabdrücken vieler internationaler Fußballstars. Nach einem Abstecher in eine der vier Umkleidekabinen geht es dann hinaus durch den Tunnel auf den Rasen. Hier kann man auf der Ersatzbank Platz nehmen und die Atmosphäre aufsaugen. Zum Abschluss geht es noch in den Pressebereich sowie in einen kleinen Fanshop. Insgesamt sollte man rund eine Stunde für die Tour einplanen.

Der Spielertunnnel Für mich ist danach Zeit für ein spätes Frühstück, bevor es auf die zweite Tour geht, die ich für diesen Tag geplant habe. Dazu aber beim nächsten Mal mehr.





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Am Zuckerhut

Er ist eines der Wahrzeichen von Rio und schon weithin zu sehen – der Zuckerhut. Die Brasilianer nenne ihn Pão de Açúcar, was so viel wie Zuckerbrot bedeutet. Den Namen hat der 396 Meter hohe Granitfelsen aus der Zeit als Zucker eines der bedeutendsten Exportgüter hier war. Neben dem Zuckerhut gibt es noch zwei kleinere Felsen – den Morro da Urca und den Morro da Babilônia.

Rechts der Zuckerhut, links der Morro da Urca Während der Zuckerhut von unten beeindruckend aussieht, ist der Ausblick von oben fantastisch. Um in dessen Genuss zu kommen gibt es zwei Seilbahnen. Zuerst geht es vom Tal auf den Morro da Urca. Wer es gerne sportlich hat kann diese Seilbahn auch überspringen und auf den Morro da Urca hinauf wandern. Oben angekommen bietet sich einem ein toller Ausblick auf Rio sowie den Flughafen. Dessen Start- und Landebahn ist übrigens an drei Seiten vom Meer umgeben.

Rio von oben, rechts hinten der Flughafen
Um auf den Zuckerhut selbst zu gelangen muss man dann aber zwangsweise die Seilbahn nutzen. Die Fahrt dauert nur eine Minute und schon kann man Rio von noch ein wenig weiter oben bestaunen. Das heißt wenn das Wetter mitspielt, und nicht wie bei meinem Besuch der Zuckerhut noch eine Wolkenhaube trägt.

Hinter den Wolken liegt Rio Zurück hinunter geht es über den gleichen Weg wie hinauf. Wer das nötige Kleingeld hat, kann vom Morro da Urca auch mit dem Hubschrauber weiter zum Cristo Redentor, der Statue von Jesus, fliegen. Es gibt aber auch günstigere Varianten um dort hin zu kommen – dazu mehr in einem der nächsten Einträge.






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Am Strande von Rio

Rio ohne Strand ist wie Österreich ohne seine Berge. Neben den berühmtesten, Copacabana und Ipanema, gibt es noch jede Menge andere Strände im Stadtgebiet von Rio de Janeiro. Meine Unterkunft für die nächsten Tage liegt nur wenige Minuten vom Strand von Leme entfernt. Dieser Strand schliesst direkt an die Copacabana an und ist vor allem bei Einheimischen beliebt.

Der Strand von Leme Am nördlichen Zipfel des Strandes von Leme, gibt es, wie auch ganz Süden der Copacabana, ein Fort. Von diesem, heute stillgelegten Militärstützpunkt, hat man einen atemberaubenden Ausblick auf den Strand. Der Aufstieg ist nicht sonderlich anspruchsvoll, dank 31° Celsius und mehr als 80% Luftfeuchtigkeit kommt man aber trotzdem ordentlich ins schwitzen.
Auf dem Weg zum Gipfel läuft man zwangsweise auch der örtlichen Tierwelt über den Weg. Neben bunten Schmetterlingen gibt es auch Kapuzineräffchen, welche die Besucher anschnorren und Mistkübel plündern.

Ein Kapuzineräffchen Oben hat man dann einen spektakulären Ausblick. Auf der einen Seite zum Zuckerhut und Cristo Redentor und auf der anderen Seite zum Strand von Leme und Copacabana.

Blick auf die Copacabana Am Rückweg mache ich noch einen kleinen Zwischenstopp am Mirante Copacabana. Hier hat man auch ohne Aufstieg einen tollen Überblick über die Strände.

Copacabana Den Tag lass ich dann am Strand ausklingen, damit ich gut gebräunt meine nächsten Ausflugsziele hier in Angriff nehmen kann.






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Rio de Janeiro – mehr als nur Karneval

Mein nächster Stopp bringt mich in eine Stadt, die vor allem für zwei Dinge berühmt ist – seine Strände sowie den Carnaval. Leider fallen die offiziellen Karnevalsveranstaltungen, wie die Parade der Sambaschulen, erneut der Pandemie zum Opfer. Trotzdem lassen sich die Cariocas, wie die Einwohner von Rio de Janeiro genannt werden, das feiern nicht verbieten. Meinen Aufenthalt hier hab ich zweigeteilt – zuerst bleibe ich für zwei Nächte im Zentrum der Stadt, bevor es an den Strand geht.

Ayrton Senna Aufmerksame Leser meines Blogs wissen schon was jetzt kommt – natürlich hab ich meinen Aufenthalt in Rio auch wieder mit einer Walking Tour begonnen. Diese startet ganz in der Nähe meines Hostels in Cinelandia. Eigentlich heißt der dortige Platz Praça Floriana Peixoto, auf Grund der vielen ehemaligen Kinos rund um den Platz haz sich aber der Spitzname Cinelandia durchgesetzt. Diese Kinos würden Anfang des 20. Jahrhunderts erbaut, als Rio versuchte seine koloniale Vergangenheit hinter sich zu lassen und große Teile der Stadt nach europäischem Vorbild umzubauen.
Neben ehemaligen Kinos findet man in Cinelandia aber noch andere sehenswerte Gebäude. So etwa das Theatro Municipal, das Opernhaus von Rio, die Nationalbibliothek und das nationale Kunstmuseum. Von dort führt die Tour durch geschäftige Straßen und durch die Geschichte der Stadt. Als portugiesische Kolonialstadt im Jahr 1565 gegründet, zur Zeit Napoleons sogar der Sitz des portugiesischen Königshauses, erste Hauptstadt des unabhängigen Brasiliens und heute mit knapp 7 Millionen Einwohnern fast so viele Menschen wie in ganz Österreich.

Theatro Municipal Nach der Tour erkunde ich noch die Nachbarschaft Lapa, in welcher meine Unterkunft liegt. Hier gibt es neben einem Aquädukt, einer Kirche die eher einer Pyramide ähnelt auch die berühmte Escaderia Selarón. Diese, mit zig tausenden Fliesen verzierte Stiege, ist eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten hier – dementsprechend ist es auch schier unmöglich ein Foto ohne Menschen zu bekommen.

Escaderia Selarón Dann ist Lapa auch noch als Partyviertel abseits des Strandes bekannt. Neben unzähligen Bars und Restaurants gibt es hier auch einige der angesagtesten Clubs in Rio. Und auch wenn der Karneval offiziell abgesagt ist, die Menschenmassen vor ihren Türen sprechen eine andere Sprache.

Auch Hamburg und Wien haben es auf die Escaderia Selarón geschafft Damit endet mein Aufenthalt im Stadtzentrum auch schon, der Strand ruft. Mehr dazu beim nächsten Mal.