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  • An der Copacabana

    An der Copacabana

    Nein, ich bin nicht plötzlich wieder in Rio gelandet – auch in Bolivien gibt es eine Copacabana. Die Kleinstadt liegt auf 3812 Metern Seehöhe, direkt am Ufer des Titicacasees – rund 150 Kilometer von La Paz entfernt. Sie ist ein beliebtes Ausflugsziel für viele Bolivianer, auch wenn der Weg dorthin ein wenig abenteuerlich ist.

    Der Startpunkt meiner Reise am Friedhof von La Paz

    Nachdem pandemiebedingt im Moment keine Touristenbusse nach Copacabana fahren, muss ich auf ein Collectivo ausweichen. Diese Kleinbusse fahren nicht nach Fahrplan sondern nach Bedarf – sobald das Collectivo voll ist wird gestartet. Abfahrt ist auch nicht vom zentralen Busterminal sondern von einer Straße gleich neben dem Friedhof von La Paz. Ich bin kurz vor 09:00 Uhr dort, dann soll nämlich ein etwas größeres Collectivo abfahren.

    Mein Collectivo

    Und tatsächlich, knapp nach 9 startet unser Bus mit rund 30 Personen an Board. Langsam schlängeln wir uns den Berg hinauf, durch El Alto gibt es immer wieder ordentlich Stau. Als wir endlich aus der Stadt draußen sind geht es etwas schneller voran. Nach rund 90 Minuten können wir schon den Titicacasee erblicken. Bis zum Ziel Copacabana dauert es aber nochmal solange, vor allem da wir erst eine Fähre nehmen müssen. Copacabana liegt nämlich auf einer Halbinsel, die vom Land aus nur von Peru erreichbar ist.

    Die Fähre

    Während der Bus auf einer alten Fähre aus Holz transportiert wird müssen die Insassen ein normales Boot nehmen. Die Überfahrt ist nur ein paar hundert Meter lang und dauert nur wenige Minuten. Ein wenig abenteuerlich ist das ganze aber schon, vor allem da alle Stege aus Holz sind und die Fähre beim Entladen nur durch eine Eisenkette gesichert ist. Schlussendlich kommt der Bus aber gut am anderen Ufer an und wir können unsere Fahrt fortsetzen.

    Alpakas in meiner Unterkunft

    Nach insgesamt rund vier Stunden kommen wir in Copacabana an und ich mach mich auf zu meinem Hostel. Hier hab ich nicht nur einen tollen Ausblick auf Hafen und See, im Garten begrüßen mich auch die beiden Haus-Alpakas. Ich beschließe den Hafen zu erkunden und finde viele Dinge bereits eingewintert vor. Die Urlaubssaison neigt sich dem Ende zu, der Herbst macht sich breit. Auf rund 3800 Metern nicht das ideale Badewetter.

    Am Hafen von Copacabana

    Ein paar hundert Meter vom Strand entfernt finde ich die Basilika von Copacabana. Sie ist der wichtigste Wallfahrtsort von Bolivien, gewidmet ist sie der Jungfrau von Copacabana. Diese ist auch die Schutzheilige von Bolivien. Zudem ist die Jungfrau auch Namensgeberin des Strandes in Rio – der ist nämlich nach einer dortigen Kirche benannt, welcher der Jungfrau von Copacabana gewidmet war. Wöchentlich finden hier außerdem Autosegnungen statt, die von einem Priester gemeinsam mit einem Schamanen abgehalten werden.

    Die Basilika von Copacabana

    Viel mehr gibt es im Ort selbst nicht zu sehen. Viele der Besucher nutzten Copacabana als Sprungbrett, um den Titicacasee zu erkunden. Genau das hab ich für morgen geplant – mehr dazu aber beim nächsten Mal.

  • Boliviens gefürchtetes Nationalstadion

    Boliviens gefürchtetes Nationalstadion

    Auf der ganzen Welt gibt es einige Fußballstadien, in denen Gastmannschaften nur ungern spielen. Oft ist die durch die Heimfans verursachte Atmosphäre schuld, wie etwa im Hexenkessel La Bombonera in Buenos Aires. Hier in La Paz liegt es ebenfalls an der Atmosphäre, ist die Luft auf 3637 Metern Seehöhe doch schon recht dünn.

    Um sich wirklich an diese Höhe zu gewöhnen braucht der Körper einige Tage an Akklimatisation. Im dicht gedrängten Fussballkalender bleibt den Gastmannschaften diese Zeit aber meist nicht. Dementsprechend kommt es immer wieder zu Überraschungen, wenn das Team aus Bolivien den scheinbar übermächtigen Gästen Punkte abknöpft. Denn an sich zählt die bolivianische Auswahl zu den schwächeren Teams in Südamerika.

    Blick von der Nordkurve

    Während meines Besuchs in La Paz fand die letzte Runde der Südamerikanischen WM Qualifikation statt. Rekordweltmeister Brasilien war zu Gast und auch wenn es im Spiel um nix mehr ging war das Stadion gut gefüllt. Brasilien, bei dem Stars wie Neymar geschont wurden, legte engagiert los und ließ Bolivien keine Chance. Am Ende hieß es 0:4 aus Sicht der Heimmannschaft.

    Gefeiert haben an diesem Abend nur die Brasilianer

    Spannend war auch zu sehen, welche Snacks es im Stadion gibt. Schnitzelsemmel, Chips und Bier sucht man in Bolivien vergeblich, anstatt dessen gibt es Tee und Semmeln mit einer Art Schweinsbraten gefüllt.

    Stadionsnack

    Nach dem Spiel geht es zu Fuß zurück ins Zentrum der Stadt – das Stadion liegt auf einem kleinen Hügel. Dabei bietet sich ein toller Blick auf La Paz und El Alto.

    La Paz bei Nacht
  • La Paz – eine Stadt wie ein Vogelnest

    La Paz – eine Stadt wie ein Vogelnest

    Gut 10 Stunden dauert die rund 550 Kilometer weite Fahrt von Uyuni zum Regierungssitz von Bolivien, La Paz. Dabei passiert man seine Zwillingsstadt El Alto, welche am oberen Rand von La Paz entstand. Mittlerweile hat El Alto sogar etwas mehr Einwohner als La Paz, insgesamt leben im Einzugsgebiet der beiden Städte rund 2 Millionen Menschen.

    La Paz befindet sich in einem Talkessel, trotzdem liegt das Zentrum auf rund 3600 Meter Seehöhe. Innerhalb der Städte gibt es gewaltige Unterschiede was die Lebensqualität betrifft. Tiefer unten findet man Villen und Luxushotels, während fast 1000 Meter darüber in El Alto die ärmsten Menschen leben. Um diese Höhenunterschiede zu bewältigen setzt man auf Gondelbahnen, welche von der österreichischen Firma Doppelmayr gebaut wurden.

    Blick auf El Alto

    Für abenteuerlustige hat die Gegend um La Paz viel zu bieten. Da gibt es einerseits die Death Road, eine der gefährlichsten Straßen der Welt, welche mit dem Mountainbike befahren werden kann. Die rund 50 Kilometer lange Strecke führt vorbei an hunderten Metern tiefen Schluchten – Leitplanken gibt es keine. Oder man kann den 6088 Meter hohen Berg Huayna Potosí besteigen, von dem aus man bis in den Amazonas sehen kann.

    Doch auch in La Paz selbst gibt es einiges zu sehen. So zum Beispiel das größte Gefängnis des Landes, San Pedro. Die rund 3000 Insassen haben sich selbst organisiert, es gibt acht unterschiedliche Bereiche, alle mit eigenem „Bürgermeister“. Die Insassen müssen für die Unterkunft im Gefängnis selbst aufkommen, daher gehen viele einem Job nach. Das geht vom Putzen der Zellen wohlhabender Insassen bis hin zum Betrieb eigener Restaurants. Oft leben auch Frau und Kinder der Verurteilten im Gefängnis, da sie sich keine eigene Wohnung leisten können.

    Von aussen sieht das Gefängnis wie eine Festung aus

    Die Wärter sind nur dafür da, dass niemand entkommt – Resozialisierung gibt es keine. Berühmtheit erlangte das Gefängnis durch die Touren für Touristen, welche zu Beginn des Jahrtausends möglich waren. Als Souvenir brachten viele Besucher Kokain mit, welches im Gefängnis hergestellt wurde. Nach der Ermordung einiger Touristen finden heute aber keine Touren mehr statt.

    Viele Straßen in La Paz sind sehr steil

    Eine weitere Attraktion ist der Hexenmarkt. Auch wenn Bolivien grundsätzlich ein katholisches Land ist, wird vielerorts noch die Göttin Pachamama verehrt. Diese repräsentiert Mutter Erde und muss durch Rituale und Opfergaben gutmütig gestimmt werden. Je nach Anliegen fallen die Opfergaben geringer oder größer aus – unabhängig davon gibt es alle notwendigen Gegenstände dafür am Hexenmarkt zu kaufen. Das geht von kleinen Figuren aus Zucker, die mit Alkohol übergossen und entzunden werden bis hin zu Llama-Föten. Daneben gibt es noch eine ganze Menge anderer esoterischer Heilmittel.

    Der Hexenmarkt

    Außerdem gibt’s noch unzählige Souvenirläden, welche Schmuck, Schlüsselanhänger oder Ponchos anbieten. Dazwischen findet man in den Straßen auch immer wieder Street Art.

    Street Art in La Paz

    Das Regierungsviertel kann mit Prachtbauten aufwarten, hier trifft Kolonialstil auf moderne. Doch auch die bewegte jüngere Geschichte des Landes lässt sich hier sehen. An manchen Gebäuden kann man noch Einschusslöcher aus dem Jahr 2003 sehen, als Proteste gegen den Ausverkauf der Bodenschätze gewaltsam niedergeschlagen wurden. Obwohl reich an natürlichen Ressourcen ist Bolivien eines der ärmsten Länder Südamerikas – zu oft haben sich Regierungen auf Kosten der Allgemeinheit bereichert.

    Der alte und neue Regierungssitz Boliviens

    Dann gibt es in La Paz noch eines der höchste gelegenen Fußballstadien der Welt. Mehr Details dazu gibt’s beim nächsten Mal.

  • Uyuni Tour Tag 3 – der größte Spiegel der Welt

    Uyuni Tour Tag 3 – der größte Spiegel der Welt

    Am dritten Tag unserer Tour steht das absolute Highlight auf dem Programm, die Salar de Uyuni. Mit einem Ausmaß von 10.500 Quadratkilometern ist die Salzwüste gut 1000 Quadratkilometer größer als Kärnten. Vor rund 10.000 Jahren war an ihrer Stelle noch ein See, als dieser austrocknete blieben unvorstellbare Mengen an Salz übrig. Teilweise reicht die Salzschicht über 200 Meter tief.

    Bevor wir aber in die Salzwüste aufbrechen legen wir noch einen Stopp beim Zugfriedhof in Uyuni ein. Einst war Uyuni ein wichtiger Bahnhof um die Bodenschätze Boliviens in Richtung Pazifik zu bringen. Heute stehen hier nur mehr die ausgeschlachteten Skelette dutzender Züge und Triebwagen herum und rosten vor sich hin.

    Der Zugfriedhof

    Das ganze Areal ist so etwas wie ein Abenteuerspielplatz für Erwachsene, jeder versucht das ideale Foto für Instagram und Co zu schießen. Dabei wird gekraxelt was das Zeug hält – gut das ich meine Tetanus-Impfung auffrischen hab lassen.

    Ein Blick hinter die Szenen des Fotoshootings

    Dann ist es aber endlich so weit, es geht ab in die Salzwüste. Erste Station ist eine Reihe von kleinen Tümpeln, deren Wasser gegen allerhand Wehwehchen helfen soll. Viele Besucher füllen hier Plastikflaschen für zu Hause an, unser Guide hat mit uns aber was anderes vor. An einem der Wasserlöcher hat er Hocker aufgebaut, jetzt ist ein Fußbad angesagt. Obwohl das Wasser aufgrund der unterirdischen Mineralien sprudelt ist es eiskalt – zumindest für die Durchblutung sehr gut. Zur Ablenkung gibt es ein Glas bolivianischen Rotwein.

    Die sprudelnden Wasserlöcher

    Nach rund 20 Minuten wird uns dann doch zu kalt, schnell abgetrocknet und es geht tiefer in die Salzwüste. Nächster Stopp ist ein ehemaliges Hotel – heute dürfen in der Wüste keine Hotels mehr betrieben werden. Wenige Meter daneben erinnert eine riesige Skulptur an die Rallye Dakar, die hier zwischen 2014 und 2018 durchführte. Auf der andern Seite des ehemaligen Hotels gibt’s einen Bereich, wo Besucher unzählige Flaggen montiert haben.

    Das Rallye Dakar Monument

    Nach dem Mittagessen, es gibt Llama-Kotletts mit Quinoa, geht es noch eine Stunde weiter ins Nichts. Als unser Guide stoppt ist ausser uns keine Menschenseele zu sehen. Selbst die Berge am Ende der Wüste wirken winzig.

    Mitten im nirgendwo

    Hier ist der ideale Ort, um die Fotos mit täuschender Perspektive zu schießen, für welche viele Touristen hierher kommen. Unser Guide ist vorbereitet und hat allerhand Requisiten mitgebracht. Gummistiefel, Weinflasche oder ein T-Rex werden geschickt in Szene gesetzt.

    Kampf mit dem Dino

    Zum Abschluss des Tages geht es noch an eine Stelle der Wüste, die gerade unter Wasser steht. Hier lässt sich der Spiegeleffekt in seiner vollen Pracht sehen. Also rein in die Gummistiefel und Fotos machen. Zum Abschluss gibt’s den Rest des Rotweins sowie ein paar Snacks.

    Der Salzsee bei Sonnenuntergang

    Als es schon finster ist geht es zurück nach Uyuni. Dabei gibt es noch eine Schrecksekunde, als unser Geländewagen beim durchqueren eines Wasserlochs abstirbt. Doch unser Guide kennt sich zum Glück mit seinem Auto aus und bringt es nach einer Viertelstunde wieder zum Laufen. Auf geht’s für alle Tourteilnehmer zum Busbahnhof. Wir haben zufällig alle schon vor Beginn der Tour ein Ticket für den Nachtbus gekauft. Wohin dieser geht das erfahrt ihr beim nächsten Mal.

  • Uyuni Tour Tag 2 – heiße Quellen und jede Menge Llamas

    Uyuni Tour Tag 2 – heiße Quellen und jede Menge Llamas

    Am zweiten Tag geht es schon um 5 Uhr los, denn unsere erste Station ist besonders am Morgen beeindruckend. Knapp eine Stunde geht es zu einem Feld von Geysieren, die Schwefel und Wasserdampf in die Luft schleudern. Dabei überqueren wir mit mehr als 5000 Metern Seehöhe auch den höchsten Punkt unserer Tour.

    Sonnenaufgang bei den Geysieren

    Als wir bei den Geysieren ankommen ist die Müdigkeit wie weggeblasen. Beeindruckende Rauchschwaden steigen in den Himmel, beleuchtet von der aufgehenden Sonne. Zu nahe sollte man ihnen aber nicht kommen, bei 150º Celsius herrscht Verbrennungsgefahr. Man muss auch aufpassen wo man hintritt, überall am Boden gibt es Schlammpfützen und kleinere Versionen der großen Geysiere.

    Angetrieben werden die Geysiere durch den in der Region vorkommenden Vulkanismus. Diesen versucht man hier auch zur Stromerzeugung zu nutzen, wie das Thermalkraftwerk zeigt, welches wir auf dem Weg zu unserer nächsten Station sehen. Nach rund einer halben Stunde kommen wir dann an einer Thermalquelle an, jetzt ist baden angesagt.

    Die Thermalquellen

    Trotz eisiger Außentemperaturen, es ist erst kurz nach Sieben in der Früh, relaxen schon einige Gäste in den beiden Becken. Das Wasser ist herrlich warm, doch die Aussicht setzt noch einen oben drauf. Keine 20 Meter von den Badegästen entfernt tummeln sich Flamingos und andere Wasservögel, der aufsteigende Wasserdampf verleiht dem ganzen etwas mystisches.

    Das Wasser zu verlassen kostet einiges an Überwindung, zur Entschädigung hat unser Guide Frühstück hergerichtet. Gleich neben uns hat es sich eine Gruppe Vicuñas gemütlich gemacht, nicht die letzten die wir heute sehen werden.

    Gut getarnte Vicuñas

    Frisch gestärkt verlassen wir den Nationalpark, weiter geht es durch ein atemberaubendes Tal, wo es von Llamas nur so wuselt. Dann ist ein wenig sportliche Betätigung angesagt, wir besuchen einige Felsblöcke die zum kraxeln einladen. Vor dem Mittagessen steht noch eine kurze Wanderung zum Lago Escondido, dem versteckten See, an. Hier geht es direkt durch eine Llama Herde, man kommt den Tieren bis auf wenige Meter nahe.

    Llamas beim Grasen

    Am versteckten See gibt es dann eine prächtigen Ausblick auf ein riesiges Gesteinsfeld, welches durch einen Vulkanausbruch entstanden ist. Unterwegs entdecken wir einen weitern Einwohner dieser kargen Landschaft – das Viscacha. Es wirkt wie eine Mischung aus Kaninchen und Känguru und nimmt querfeldein über die Felsen reisaus.

    Ein Viscacha

    Nach dem Mittagessen machen wir uns wieder auf den Weg in Richtung Uyuni, die erste Schleife unseres Ausfluges haben wir fast hinter uns. Wir stoppen noch an einem eindrucksvollen Canyon sowie der Stadt San Cristóbal. Auch tanken ist angesagt, immerhin sind wir fast 1000 Kilometer durch die Wüste gedüst. Spannend hier – die Benzinpreise sind fix auf ein großes Plakat gedruckt, ändern sich also nie. Gleichzeitig gibt es unterschiedliche Preise für einheimische und Touristen. Für Bolivianer kostet der Liter Benzin rund 50 Cent, für auswärtige etwas mehr als das doppelte.

    Die Kirche von San Cristóbal

    Schließlich kommen wir an unserem Hostel an, welche etwa 20 Minuten von Uyuni entfernt am Beginn der Salzwüste liegt. Unsere Zimmer sind natürlich auch wieder aus Salz. Zum Abendessen gibt es das bolivianische Nationalgericht Pique Macho, Pommes mit allerhand Fleisch und Gemüse oben drauf.

    Dann hat unser Guide noch eine Überraschung für uns bereit. Bei vollkommener Dunkelheit geht es rund 15 Minuten hinein in die Salzwüste. Ideale Bedingungen um den Sternenhimmel zu bewundern. So endet der Tag mit einer kurzen Vorschau darauf, was uns morgen erwartet – Salz soweit das Auge reicht.

  • Uyuni Tour Tag 1 – Lagunen und Flamingos

    Uyuni Tour Tag 1 – Lagunen und Flamingos

    Der nächste Tag startet um 08:30 Uhr im Büro des Touranbieters. Es herrscht ein reges kommen und gehen, jeden Tag starten mehrere unterschiedliche Touren, dementsprechend geht es ein wenig chaotisch zu. Einige Tour Teilnehmer sind erst mit dem Nachtbus angereist und müssen noch umpacken – im Geländewagen hat nämlich nur ein kleiner Rucksack Platz.

    Einer der Geländewagen der Agentur

    Nach einer guten Stunde sind wir dann aber soweit und können loslegen. Unsere 6er Gruppe ist bunt gemischt, wir haben Teilnehmer aus Brasilien, China, Dänemark, England, Kanada und Österreich. Unser Fahrer ist gleichzeitig auch unser Guide und Koch – unterwegs gibt’s kaum Restaurants, deswegen wird die Verpflegung mitgenommen.

    Die Gegend für die ersten Stunden

    Wir verlassen die Stadt und bald wird klar, warum die meisten Menschen hier einen Geländewagen fahren. Asphaltierte Straßen gibt es kaum, meist ist der Untergrund Kies oder Sand. Nach rund zwei Stunden Fahrt haben wir unsere erste Station erreicht, es gibt Mittagessen. Dabei machen wir in einer Stadt halt, die wie ausgestorben wirkt. Die Sonne ist hier auf knapp 4000 Metern Seehöhe zu Mittag äußerst stark, weshalb man niemanden auf der Straße findet.

    Die Geisterstadt

    Frisch gestärkt geht es weiter, einzig unsere Vegane Teilnehmerin aus Brasilien hat noch Hunger – als vegane Option fürs Mittagessen gab es nämlich ein leckeres Omlett. Es geht tiefer hinein in die Wüste, nach einem Stopp bei mehr oder weniger interessanten Gesteinsformationen kommen wir zur ersten Lagune des Tages. Insgesamt sind vier Lagunen eingeplant und an allen soll es Flamingos zu sehen geben.

    Wir sind nicht die einzige Tourgruppe

    Lagune Nummer eins hält dieses Versprechen, als wir ankommen sehen wir eine große Gruppe Flamingos im Wasser. Da wir den Tieren hier sehr nah kommen wird mir klar, wie groß diese eigentlich sind. Selbst ohne den langen Beinen ähneln sie mehr einem Truthahn als einem Hendl.

    Flamingos im Flug

    Weiter geht es durch eine Landschaft, die mich sehr an die Atacama Wüste erinnert. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, grenzt diese doch direkt an das Altiplano. Nach Lagune Nummer zwei stoppen sie an einem Felsen, der wie ein Baum ausnehen soll. Dort findet man auch eines der wenigen WCs in der Wüste, wobei natürlich ohne fließendes Wasser.

    Mehr Eierschwammerl als Baum

    Nachdem wir auch in Lagune drei Flamingos gefunden haben geht’s in den Nationalpark Reserva Nacional de Fauna Andina Eduardo Avaroa. Hier, direkt an der Grenze zu Argentinien und Chile finden wir die beeindruckendste Lagune des Tages. Mikroorganismen färben das Wasser dunkelrot, was wiederum den Flamingos, welche die Organismen fressen, ihre Farbe gibt.

    Die letzte Lagune des Tages

    Hier im Nationalpark liegt auch unser Quartier für die Nacht, ein Berghostel auf ca. 4300 Metern Seehöhe. Das Abendessen ist diesmal für alle vegan, zum Glück gibt’s am Areal des Hostels auch ein kleines Geschäft welches Bier verkauft. Strom gibt es für die Gäste keinen, genauso auch keine Heizung. Dafür liegen jede Menge Decken bereit, damit es in der Nacht nicht so kalt wird. Wer eine heisse Dusche möchte muss extra zahlen, das Wasser wird je Person mit Gas aufgeheizt. Wir gehen alle zeitig ins Bett, denn morgen heißt es früh aufstehen. Was da dann auf dem Programm steht erfahrt ihr im nächsten Beitrag.

  • Uyuni – das Tor zur Wüste

    Uyuni – das Tor zur Wüste

    Weitere vier Stunden geht es mit dem Bus in Richtung Süden, vor dem Fenster zieht eine Landschaft vorbei, die immer mehr an Grün verliert. Bis wir schließlich in Uyuni angekommen sind gibt es kaum noch Vegetation und das obwohl die Stadt rund 300 Meter tiefer liegt als Potosí. Warum zieht die Stadt trotzdem so viele Touristen an? Neben dem schier unendlichen Altiplano gibt es hier auch die größte Salzwüste der Welt. Ich habe eine dreitägige Tour gebucht, um diese einzigartigen Landschaften kennen zu lernen.

    Die Landschaft auf dem Weg nach Uyuni

    Bevor die Tour startet hab ich noch einen Nachmittag um mir Uyuni selbst anzusehen. Wobei, so viel gibt es hier nicht zu sehen. Zwar leben knapp 20.000 Menschen in der Stadt, Freizeitaktivitäten sucht man jedoch vergeblich. An der Hauptstraße, die als einzige gepflastert ist, gibt es einige Restaurants sowie ein paar Statuen. Am anderen Ende kann man eine Kapelle finden.

    Eine einsame Kapelle in Uyuni

    Meine Unterkunft liegt direkt neben der Kaserne – Uyuni wurde ursprünglich als Militärstützpunkt gegründet. Etwas besonderes gibt es dann doch – da Salz im Überfluss vorhanden ist, wird es auch als Baumaterial eingesetzt. So ist mein Hotel aus Salzziegeln erbaut bzw. mit diesen verkleidet.

    Mein Zimmer im Salzhotel

    Da es sonst nix zu sehen gibt, schau ich bei meinem Touranbieter vorbei. Dort bekomme ich eine Checkliste mit Dingen die man auf die Tour mitbringen sollte – also heissts ab zum Klopapier kaufen. Das gibt’s hier praktischer Weise auch als einzelne Rolle verpackt. Noch ein paar Snacks sowie einige Liter Wasser und ich bin startklar. Wie es mir auf der Tour gegangen ist erzähle ich euch beim nächsten Mal!

    Die Packliste
    Einen Transformer gibt’s in Uyuni auch
  • Potosí oder der Berg, der Menschen frisst

    Potosí oder der Berg, der Menschen frisst

    Etwa vier Stunden dauert die Busfahrt von Sucre in eine Stadt, welche die Weltgeschichte beeinflusst hat wie kaum eine andere in Südamerika – und trotzdem kaum bekannt ist. Auf rund 4000 Metern Seehöhe liegt Potosí, einst die Schatzkammer des spanischen Imperiums. Zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert wurden hier unvorstellbare Mengen an Silber aus dem Cerro Rico, zu deutsch reichen Berg, abgebaut. Laut Schätzungen kamen zu dieser Zeit 80% des weltweiten Silbers aus Potosí.

    Das Silber würde direkt in Potosí zu Münzen weiterverarbeitet

    Die Silbervorkommen führten dazu, das Potosí zu Beginn des 17. Jahrhunderts 150.000 Einwohner zählte und somit eine der größten Städte der Welt war. Die imposanten Gebäude im Stadtzentrum, wie etwa die vielen Kirchen, sind heute noch Zeugen dieser Zeit. Doch abseits davon hat die Stadt heute einen Charme, welcher die Bergbaustädte der Obersteiermark wie Paris wirken lässt. Die Häuser außerhalb des Zentrums erinnern an die Favelas von Rio und die ohnehin schon dünne Atemluft wird durch die vielen alten Fahrzeuge verschmutzt.

    Die Stadteinfahrt von Potosí, im Hintergrund der Cerro Rico.

    Heute leben in Potosí rund 175.000 Menschen, also knapp mehr als zu seiner Hochzeit. Auch wenn die Silveradern längst versiegt sind, wagen sich auch heute noch mehr als 10.000 Menschen täglich in den Berg. Organisiert sind sie dabei in eigene Collectivos, gesetzliche Vorschriften gibt es keine. So verwundert es auch nicht, das jährlich mehr als 100 Menschen bei Unfällen ums Leben kommen. Hinzu kommt, das aufgrund der wiedrigen Bedingungen kaum ein Bergmann älter als 50 wird. Warum trotzdem so viele Menschen ihr Glück im Berg suchen – die Bezahlung ist dreimal so hoch wie der Durchschnitt.

    Der zentrale Platz von Potosí

    Schätzungen zufolge sind in den 500 Jahren, in denen im Cerro Rico Bergbau betrieben wird, zwischen drei und acht Millionen Menschen dabei ums Leben gekommen. Man sagt das man mit dem geschürften Silber eine Brücke bis nach Spanien errichten kann und mit den Knochen der dabei umgekommen Menschen eine zweite Spur zurück. Ein Großteil der Opfer war Sklaven, denen sie Höhenbedingungen zusätzlich zu schaffen machte.

    Neben Silber gibt es im Berg noch zahlreiche andere Mineralien

    Abenteuerlustige können eine Tour in den Berg unternehmen. Eine Station dabei ist der Bergarbeiter Markt, auf dem man neben 97%igen Alkohol und Coca-Blättern auch Dynamit kaufen kann. Alles ohne irgendwelche Nachweise erbringen zu müssen. Viele der Touren werden von ehemaligen Bergmännern geführt, mit dem Geld werden die Collectivos unterstützt. Ich hab mich dennoch entschieden nicht in den Berg zu gehen, vor allem da mir die Höhe noch ein wenig zu schaffen gemacht hat.

    Das Haus des Geldes in Potosí

    Doch auch ohne unter Tage zu gehen kann man in die Geschichte von Potosí, die Hand in Hand mit dem Bergbau geht, eintauchen. In der Casa de la moneda, wo das Silber verarbeitet und zu Münzen geprägt wurde. Hier erfährt man alles, angefangen vom Aberglauben der Bergleute über den Weg vom Silbererz zur fertigen Münze bis hin zu welche Mineralien ansonsten noch im Cerro Rico gefunden werden können. Auch die technologische Entwicklung der Prägemaschinen, von Muskelkraft über Dampf bis hin zu Elektrik wird beleuchtet.

    Ein Auszug der hier geprägten Münzen

    Als die Tour vorbei ist strahlt die Sonne vom blauen Himmel und der Cerro Rico steht immer noch. Die Frage ist aber wie lange – seit Jahren schon warnen Geologen, dass der Berg, der im inneren eher einen Schweizer Käse gleicht, in sich zusammenbrechen wird. Zu lange und zu tief wurde vorgedrungen, ohne die Stollen ausreichend zu sichern. Man kann nur hoffen, dass der Berg dann nicht zu viele weitere Menschen verschluckt.

  • Sucre – die weiße Stadt

    Sucre – die weiße Stadt

    Bevor es endgültig ins bolivianische Hochland geht, steht noch ein Stop in der Hauptstadt des Landes an. Mit seinen 2700 Metern Seehöhe ist Sucre ideal, um sich langsam an die Höhe zu gewöhnen. Hinzu kommt das Sucre als schönste Stadt Boliviens gilt, somit sollte sie sowieso auf keinem Reiseplan fehlen.

    Schon die Ankunft am Flughafen ist spannend. Ein Tal, in welchem ein Flughafen Platz hat, sucht man hier vergeblich. Deshalb wurde der Flughafen rund 40 Minuten außerhalb von Sucre auf einem Bergplateau errichtet. Sicherlich einer der interessantesten Landeanflüge die ich bisher hatte. Die Preise fürs Taxi sind zum Glück fix, so geht’s für umgerechnet 8 Euro zu meiner Unterkunft.

    Die Straßen von Sucre

    Wie das ganze Umland ist auch die Stadt Sucre selbst sehr hügelig. Auf einem dieser Hügel liegt das Kloster von Recoleta, dessen Vorplatz einen tollen Überblick über die Stadt bietet. Dieser Aussichtspunkt liegt rund einen Kilometer und 100 Höhenmeter vom Stadtzentrum entfernt, kann also problemlos zu Fuß erreicht werden.

    Das Kloster von Recoleta
    Blick ins Stadtzentrum

    Doch auch im Stadtzentrum selbst gibt es Orte, von denen aus man sich einen guten Überblick über Sucre machen kann. So können gleich mehrere Kirchtürme erklommen werden, in jenem der Kirche San Miguel befindet sich sogar ein Café. Hier kann man Kaffee und Kuchen genießen, während man über die Dächer der Stadt blickt.

    Ausblick vom Kirchturm San Miguel

    Das Zentrum der Stadt bildet der Platz des 25. Mai. Hier findet man neben Grünanlagen und Straßenhändlern auch einige Statuen, welche an den Kampf um die bolivianische Unabhängig erinnern. Wer mehr dazu wissen möchte kann die Casa de la Libertad, zu deutsch das Haus der Freiheit, besuchen, welches direkt am Platz liegt.

    Statue des Freiheitskämpfers Antonio José de Sucre am Platz des 25. Mai.

    Dort wird einem in einer guten Stunde der Weg Boliviens zur Unabhängigkeit vorgestellt. Eine der zentralen Figuren dabei war Antonio José de Sucre, der als General unter Simón Bolívar diente. Nach ihm ist auch die Stadt selbst benannt, vor der Unabhängigkeit war Sucre unter dem Namen La Plata bekannt. Diesen Namen trug die Stadt aufgrund der riesigen Silbervorkommen, welche in der Kolonialzeit das spanische Imperium finanzierten. Als zum Ende des 19. Jahrhunderts die Silveradern vertrockneten wurde der Regierungssitz von Sucre nach La Paz verlegt.

    Freiheitskämpfer im früheren Regierungssitz

    Sucre blieb aber trotzdem die Hauptstadt von Bolivien, wohl auch aufgrund der beeindruckenden Architektur. Der vorherrschende Kolonialstil ist in kaum einer anderen Stadt der Welt so gut erhalten geblieben. Die Altstadt wurde von der UNESCO deshalb auch zum Weltkulturerbe ernannt.

    Die Kathedrale von Sucre

    Wenn Sucre die weiße Stadt Boliviens ist, kann man die folgende Station meiner Reise gut und gern als graue Stadt bezeichnen. Um welche Stadt es sich dabei handelt erzählen ich euch beim nächsten Mal.

  • Biocentro Güembé

    Biocentro Güembé

    Für Naturliebhaber ist Santa Cruz und Umgebung auf jeden Fall eine Reise Wert. In idealer Entfernung für einen Tagesausflug liegen etwa der Amboró Nationalpark, der botanische Garten von Santa Cruz in welchem man mit etwas Glück Faultiere in freier Wildbahn beobachten kann, oder das Biocentro Güembé. Ich hab mich entschieden letzteres zu besuchen.

    Das Biocentro liegt nur wenige Kilometer östlich von Santa Cruz. Mit dem Taxi dauert die Fahrt von meinem Hostel aus gut 30 Minuten, wobei die letzten paar hundert Meter über eine unbefestigte Straße führen. Auf dem Weg dahin bekomme ich auch die ersten Hochhäuser der Stadt zu sehen. Im Nordosten wird fleißig gebaut, kein Wunder denn Santa Cruz ist eine der am schnellsten wachsenden Städte Südamerikas.

    Der Baumstamm zeigt alle Tiere des Parks

    Das Biocentro Güembé ist eigentlich gleich zwei Parks in einem. Auf der einen Seite gibt es den Tierpark mit zahlreichen Bewohnern, daneben gibt es auch noch so etwas wie einen Wasserpark mit unterschiedlichen Schwimmbecken. Im Park gibt es außerdem ein Hotel, falls man länger bleiben möchte. Mir geht’s bei meinem Besuch aber hauptsächlich um den Tierpark.

    Im Park findet man immer wieder Metallskulpturen wie diesen Schmetterling

    Nachdem ich im Park angekommen bin erklärt mir eine Mitarbeiterin was ich hier alles Unternehmen kann. Es gibt auch geführte Touren und ich hab Glück, denn keine zwei Minuten später startet schon die Nächste. Die erste Station führt unter die Erde, in einem nachgebildeten Termitenhügel gibt es Ameisen, Spinnen und Termiten zu sehen. Weiter geht es vorbei an einigen Bienenarten, welche Holzstämme besiedeln. Es folgt ein Gehege, in welchem zwei schwarze Klammeraffen leben. Obwohl das Gehege Recht groß ist, sehen die beiden nicht sehr glücklich aus.

    Ein schwarzer Klammeraffe

    Die nächste Station ist eines der Highlights des Parks – das Schmetterlingshaus. Wobei Haus die falsche Bezeichnung ist, vielmehr handelt es sich um eine Art Gewächshaus, welches nur über eine Schleuse betreten werden kann damit kein Schmetterling entwischt. Neben einer Unzahl bunter Schmetterlinge, die wirklich schwierig zu fotografieren sind, gibt es auch noch eine Menge exotischer Pflanzen.

    Ein verschwommener Schmetterling

    Dann geht es vorbei an einer Gruppe von Schildkröten hin zum Herzstück des Parks, dem Vogelgehäge. Hier kann man auf Tuchfühlung mit den Vögeln des Regenwaldes gehen. Neben einigen Tucans findet man hauptsächlich rote und blaue Aras, zwei der größten Papageienarten der Welt. Auch wenn die Aras ein Stück größer sind als die Tucans, sind die Vögel mit dem riesigen Schnabel die Chefs im Gehäge. Wenn ein Tucán an der Futterstelle jausnet müssen alle andern zuschauen.

    Ein Tucan vor einer Futterstelle

    Generell sind die Vögel nicht scheu, man merkt das sie Besucher gewohnt sind. Mit den Aras kann man sogar tratschen wenn man möchte. Im Zentrum des Geheges gibt es einen Turm, von welchem man nicht nur die Vögel sondern auch die Umgebung rund um den Park bewundern kann.

    Der Aussichtsturm

    Nach dem Vogelgehäge geht die Tour mit einem Spaziergang durch den Jungel, vorbei am einigen Skulpturen zu Ende. Wir erreichen wieder unseren Startpunkt und für viele der Teilnehmer heißt es jetzt ab zu den Schwimmbecken, immerhin hat es über 30 Grad. Für mich heißt es zurück in die Stadt und auf den nächsten Tag vorbereiten, wenn es weiter zur nächsten Station meiner Reise geht.