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Der Tayrona Nationalpark

Einer der Hauptgründe, weshalb Menschen in die Region Santa Marta reisen, ist der Tayrona Nationalpark. Auf rund 150 Quadratkilometer gibt es hier nicht nur eine vielfältige Flora und Fauna zu bewundern, sondern auch wunderbare Strände zum Entspannen. Natürlich habe auch ich einen Tagesausflug in den Nationalpark unternommen.

Die Karte des Parks Um von Santa Marta aus in den Park zu kommen gibt es mehrere Optionen. Einerseits mit dem Bus zu einem der Eingänge oder mit dem Boot direkt an einen Strand. Dann gibt es auch noch die Option einer geführten Tour. Ich hab mich für die günstigste Variante entschieden – den Bus. Dieser fährt etwa alle 20 Minuten vom Markt von Santa Marta ab. Da unterwegs immer wieder Leute zusteigen brauchen wir rund 90 Minuten zum Haupteingang des Parks. Dafür kostet die Fahrt nur umgerechnet rund 2 Euro.

Der Beginn des Wanderweges Ich komme knapp bevor der Park aufsperrt dort an. Neben den Parkgebühren muss jeder Besucher auch verpflichtend eine Unfallversicherung für den Tag abschließen. Nachdem das erledigt ist geht es mit einem Shuttle rund fünf Kilometer zum Start eines Wanderweges. Dieser führt durch den Dschungel zu den Stränden des Nationalparks. Der Start ist recht flach und schattig, was bei den schwülen Temperaturen angenehm ist.

Einer der Bewohner des Dschungels Unterwegs gibt es auch einige Kapuzineraffen zu sehen, welche die Banane eines Touristen ergattert haben. Danach wird der Weg hügeliger und gibt schließlich den ersten Blick auf das Meer frei.

Der erste Blick auf den Strand Kurz darauf treffe ich auf eine Gruppe Ureinwohner, welche frische Kokosnüsse zur Erfrischung verkauft – genau das richtige bei diesen Temperaturen. Ein wenig später komme ich am ersten Strand an, an dem Baden erlaubt ist. Wegen der sehr starken Strömung ist das Schwimmen nämlich nur auf einigen ausgewählten Stränden gestattet.

Der Strand la piscina Obwohl der Strand und das Meer voll mit Pflanzenresten sind entscheide ich mich für eine kurze Abkühlung im Wasser. Danach mach ich mich auf zum wohl schönsten Strand im Park am Cabo San Juan. Hier findet man gleich zwei Buchten, die zum Schwimmen einladen. Ich suche mir einen Platz am Strand und geh erstmal Baden.

Cabo San Juan Hier am Cabo San Juan gibt es neben einem Campingplatz auch ein Restaurant – ideal fürs Mittagessen. Wer möchte kann auch in einer Hängematte auf einem Felsen des Kaps übernachten. Und von hier aus hat man auch die Möglichkeit mit dem Boot zurück nach Santa Marta zu kommen.

Die Hängematten über dem Cabo San Juan Nach dem Mittagessen kommt meine Schnorchelausrüstung zum Einsatz. Und tatsächlich gibt es hier eine Menge an bunten Fischen zu sehen.
Um mehr Zeit am Strand zu haben und mir die zwei Stunden Fußweg zurück zum Bus zu ersparen, entscheide ich mich dazu, mit dem Boot zurück nach Santa Marta zu fahren. Das Meer ist heute sehr ruhig, trotzdem ist die Fahrt eine sehr nasse Angelegenheit. Immer wieder sprüht es einem das Wasser ins Gesicht, gut das alle Schwimmwesten tragen. Schließlich komm ich wieder in meinem Hostel an, jetzt heißt es Sachen trocknen. Morgen geht’s nämlich weiter zum nächsten Halt meiner Reise.










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Santa Marta – Kolumbiens älteste Stadt

Wieder einmal ist es an der Zeit den Standort zu wechseln, von Cartagena geht es nach Santa Marta. Zwischen beiden Städten gibt es eine gute Busverbindung, die Fahrt dauert rund fünf Stunden. Dabei legen wir auch einen kurzen Stopp in Barranquilla ein. Ursprünglich hatte ich geplant in dieser Stadt auch die eine oder andere Nacht zu verbringen. Nachdem ich aber von vielen Reisenden gehört habe, das es außer Industrie und dem Geburtshaus von Shakira nicht viel in Barranquilla gibt, entscheide ich mich dazu diese Station auszulassen.

In Santa Marta geht es sehr bunt zu Wie Cartagena liegt auch Santa Marta direkt an der Karibikküste. Und wie auch in Cartagena muss man ein wenig aus der Stadt hinaus um zu den besten Stränden zu kommen. Das Zentrum der Stadt macht einen sehr rustikalen Eindruck, selbst die moderneren Gebäude wirken in die Jahre gekommen. Abseits des Zentrums findet man, außer auf den Hauptstraßen, kaum Asphalt. Viele nutzen daher ein Moped als Fortbewegungsmittel Nummer eins.

Eine der besseren Straßen Dafür ist die im Jahr 1525 gegründete Stadt außerordentlich bunt. Neben vielen Pflanzen gibt es auch an jeder Ecke Graffiti. Diese behandeln in der Regel politische oder gesellschaftliche Themen.

Eines der Graffiti Zwischen Industrie- und Yachthafen von Santa Marta findet man ein Pier, welches zum flanieren einlädt. Entlang dessem gibt es Stände mit frischen Fruchtsäften, Snacks und Souvenirs. Wer möchte kann hier auch frischen Fisch kaufen.

Die Fischer von Santa Marta In der Altstadt findet man auch zahlreiche Plätze, wobei einige von ihnen nach Einbruch der Dunkelheit nicht besucht werden sollten. Und nur unweit vom Zentrum der Stadt fand der wohl größte Nationalheld Südamerikas sein Ende. Im Jahr 1830 verstarb hier der Freiheitskämpfer Simón Bolívar.

Wie in gefühlt jeder Stadt Südamerikas gibt es auch in Santa Marta eine Statue von Simón Bolívar Insgesamt ist Santa Marta selbst aber keine Stadt, für welche man in die Region reisen würde. Warum das trotzdem so viele Menschen tun liegt an den Schauplätzen rund um Santa Marta. Um welche es dabei geht erzähle ich euch beim nächsten Mal.






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Das Castillo San Felipe de Barajas

Die Stadtmauern in der Altstadt von Cartagena sind nicht die einzigen Verteidigungsanlagen der Stadt. Auf einem Hügel gleich neben dem Zentrum wurde im Jahr 1536 damit begonnen eine Festung zu errichten. Heute ist das Castillo San Felipe de Barajas ein wahres Bollwerk und eine der Hauptattraktionenen der Stadt. So, wie auch viele der Urlauber die Cartagena mit einer Kreuzfahrt besuchen, habe ich mir die Burg näher angeschaut.

Auf den gigantischen Mauern weht eine riesige Flagge Die Festung wurde errichtet, um die über Cartagena nach Spanien verschifften Reichtümer zu schützen. Neben Piraten und Freibeutern war es vor allem die englische Krone, die dem spanischen Imperium seine Kolonien streitig machen wollte. Die Spannung entlud sich im Jahr 1741 mit dem Angriff einer britischen Armada. Nachdem zwei vorherige Angriffe fehlgeschlagen waren, wurde ein Großangriff mit 124 Schiffen und rund 30.000 Soldaten gestartet.

Natürlich dürfen in der Festung Kanonen nicht fehlen Der britischen Streitmacht standen nur sechs Schiffe und zwischen 4000 und 6000 Verteidiger gegenüber. Zuerst schien es auch, als würden die Briten als klarer Sieger aus dem Gefecht hervorgehen. Die Spanier, unter dem Kommando von Admiral Blas de Lezo zogen ihre letzten Streitkräfte in der Festung San Felipe de Barajas zusammen. Die Briten versuchten die Festung zu stürmen, allerdings ohne Erfolg.

Im inneren der Mauern gibt es ein Labyrinth aus niedrigen Tunneln mit zahlreichen Sackgassen Dann kam den Spaniern auch das Wetter zur Hilfe. Der Beginn der Regenzeit verhinderte das Vorrücken der Briten mit schwerem Gerät, gleichzeitig breiteten sich in deren Lager Tropenkrankheiten wie Gelbfieber aus. Nach dem Verlust von 18.000 Soldaten blieb den Briten nur der Rückzug. Das war doppelt blamabel, da nach den ersten Erfolgen bereits ein Botschafter zurück nach Großbritannien entsandt wurde, um von der erfolgreichen Eroberung Cartagenas zu berichten.

Von der Festung aus kann die ganze Stadt überblickt werden Die Niederlage der Briten hatte auch Auswirkungen auf Österreich. Der britische König, der zuvor als Mediator zwischen Österreich und Preußen aufgetreten war, zog sich aus dieser Rolle zurück. Dies führte dazu, das sich Frankreich und Spanien im österreichischen Erbfolgekrieg mit Preußen verbündeten.

Das Innere der Festung Der spanische Kommandant Blas de Lezo gilt noch heute als einer der größten Kriegshelden Spaniens. Seine Statue findet man direkt vor der Festung. Als Seemann seit frühester Jugend verlor er in diversen Gefechten erst sein linkes Bein durch eine Kanonenkugel. Später verlor er auch sein linkes Auge sowie die Bewegungsfreiheit in seinem rechten Arm. Das er trotz dieser Einschränkungen weiterhin seinen Dienst tat brachte ihm große Bewunderung bei seinen Truppen.

Blas de Lezo Unterm Strich ist das Castillo San Felipe de Barajas ein beeindruckendes Bauwerk. Überall am Gelände gibt es Infotafeln, ein Tourguide ist also nicht unbedingt notwendig. Auch das Tunnel-Labyrinth ist so abgesperrt, das man sich nicht verirren kann. Insgesamt ein interessanter Zeitvertreib für einen Vormittag.






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Ein Badeausflug in die Karibik

Für meinen nächsten Tag in Cartagena habe ich einen Ausflug auf einem Katamaran gebucht. Zeitig um 08:30 Uhr geht es los, zum Glück liegt der Anlegeplatz der Ausflugsboote nur kurz von meiner Unterkunft entfernt. Der Check-in am Boot verläuft unkompliziert, die Passagiere sind bunt gemischt.

Der Katamaran Wir legen ab, es geht gemütlich vorbei am Stadtteil Bocagrande ehe wir offenes Gewässer erreichen. Zum Start gibt’s einen erfrischenden Melonensaft während wir unser erstes Ziel ansteuern. Rund zwei Stunden sind wir unterwegs bevor wir den Anker auswerfen. Etwa 100 Meter vor einem Strand der Isla Grande gibt’s jetzt Zeit um im Meer zu Baden.

Die türkise Karibik Schnorchel und Maske gibt’s am Katamaran zum Ausborgen, ich hab meine noch aus Galapagos. Mein erster Eindruck des Wassers – sehr warm. In diesem Bereich hat die Karibik rund 30 Grad Celsius, nur knapp weniger als die Lufttemperatur. Eine große Abkühlung gibt es also nicht. Auch das Schnorchel-Erlebnis ist eher unterdurchschnittlich, Fische oder Korallen sucht man vergeblich.

An unserem Ankerplatz gibt es kaum andere Boote Nach dem Baden gibt’s ein überraschend köstliches Mittagessen – eine Meeresfrüchte-Paella. Obwohl der Katamaran nur über eine sehr einfache Küche verfügt ist das Essen hervorragend. Zeitgleich macht sich der Kapitän auf zum nächsten Halt, der rund eine Stunde entfernt ist. Erneut legen wir vor einer Insel an und können das karibische Meer genießen.
Nach weiteren zwei Stunden machen wir uns dann auf den Rückweg. Längst ist die Bar des Katamarans eröffnet, es herrscht Partystimung. Schließlich kommen wir am frühen Abend wieder in Cartagena an. Der kühle Fahrtwind ist vorbei, die Hitze der Stadt hat mich wieder. Ein unterm Strich ein lässiger, entspannter Ausflug geht zu Ende und ich überlege mir was ich morgen noch anstellen kann.








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Cartagena – Willkommen in der Karibik

Nach einigen Tagen in der Kaffeeregion Kolumbiens ist es Zeit dem regnerischen und doch recht frischen Wetter zu entfliehen. Mein Ziel ist die Stadt Cartagena an der Karibikküste Kolumbiens. Täglich gibt es mehrere Direktflüge von Pereira nach Cartagena, also packe ich meine Sachen und mache mich mit dem Bus von Salento auf nach Pereira.

Der Busbahnhof von Salento ist gleichzeitig ein kleiner Park Als ich den Flughafen in Cartagena verlasse bietet sich mir ein komplett anderes Wetter als in Salento. Es ist heiß und schwül, einen erfrischenden Luftzug sucht man vergeblich. Meine erste Station nach dem check-in ist daher ein Barbershop, ich brauche definitiv kürzere Haare. Danach geht’s auf zu einer Walking Tour um mehr über diese bunte Stadt zu erfahren.

Einer der vielen Plätze in Cartagena Cartagena, eigentlich Cartagena de Indias um es von der Stadt Cartagena in Spanien zu unterscheiden, wurde im Jahr 1533 gegründet. Die Stadt spielte eine wichtige Rolle bei der Kolonialisierung des Kontinents durch Spanien. Von hier aus wurde das Silber, welches in Potosí Bolivien abgebaut wurde, nach Spanien verschifft. Dementsprechend war die Stadt oft Ziel von Piraten sowie von rivalisierenden europäischen Königshäuser, weshalb imposante Stadtmauern errichtet wurden.

Ein Teil der alten Stadtmauern Diese Stadtmauern, welche die Altstadt umschließen, sind heute eine beliebte Touristenattraktion. An manchen Stellen sind die Mauern so breit, das ganze Restaurants auf ihnen Platz finden. Innerhalb der Mauern gibt es prächtige bauten im Kolonialstil, welche sich mit bunten Häusern abwechseln.

Der Bereich innerhalb der Stadtmauern So richtig bunt wird es im Viertel Getsemaní. Einst einer der ärmsten Bereiche der Stadt findet man hier heute Boutique-Hotels, Kunstgalerien und jede Menge Bars und Restaurants. Nach Sonnenuntergang trifft man sich am Plaza de la Trinidad, wo Imbisstände und Straßenmusiker zu finden sind.

Getsemaní bei Nacht Hat man es lieber luxuriös ist das Viertel Bocagrande das richtige. Hier stehen moderne Hochhäuser und Hotels direkt am Meer, von vielen wird dieser Stadtteil das Miami Südamerikas genannt.

Bocagrande von der Stadtmauer aus gesehen Einzig die Strände im Stadtbereich haben keinen guten Ruf – man hört von zu vielen Menschen die versuchen Snacks, Getränke oder Massagen an den Mann zu bringen. Besser soll es sein auf eine der Insel vor der Stadt auszuweichen. Ob das so ist habe ich natürlich ausprobiert, mehr dazu beim nächsten Mal.










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Cocora Valley – wo himmelhohe Palmen stehn

Heute steht ein Wandertag an, es geht ins Cocora Valley. Dieses Tal liegt rund 30 Minuten via Willy vom Zentrum von Salento entfernt und ist für seine Wachspalmen bekannt, welche über 45 Meter hoch werden. Damit sind sie die höchsten Palmen der Welt. Die letzten Tage hat es immer wieder geregnet, doch am Morgen sieht das Wetter gut aus, ich bin vorsichtig optimistisch.

Die Palmen von unten Im Cocora Valley gibt es zwei Wanderwege. Einerseits einen Rundweg der mit 5-6 Stunden veranschlagt wird, sowie eine kurze Schleife, welche nur die Instagram-Fotospots abdeckt. Ich entscheide mich für den Rundweg – wegen dem zu erwartenden Gatsch in der Variante gegen den Uhrzeigersinn. Um vor den Touristengruppen dort zu sein nehme ich einen der ersten Willys des Tages.

Die Wanderkarte Der Start meiner Wanderung geht vorbei an einem Fischteich und entlang eines Baches. Die Landschaft erinnert sehr an eine Alm, sogar Kühe gibt es hier. Der Boden ist zwar relativ gatschig, da hier auch Pferde entlangreiten, trotzdem schaffe ich es das meine Wanderschuhe trocken bleiben.

Der Start der Wanderung Nach gut einer Stunde verlasse ich die Wiesen, es geht hinein in einen Wald. es geht kontinuierlich leicht bergauf und schon bald stehen die ersten Mutproben auf dem Programm. Sechsmal muss der Bach überquert werden, auf ziemlich schwindligen Hängebrücken.

Eine der Hängebrücken Ich schaff es ohne runterzufallen auch über die letzte Brücke. Bald darauf steht eine Entscheidung an – es gibt die Option ein Kolibri-Reservat zu besuchen. Das bedeutet rund eine Stunde mehr Weg, dafür gibt’s dort als Snack Kaffee mit einem Stück Käse. Das Wetter schaut noch gut aus und ich fühle mich fit – ab zu den Kolibris.

Der Eingang zum Kolibri-Reservat Dort angekommen mach ich eine Pause, rund zwei Stunden bin ich jetzt unterwegs. Überall am Gelände gibt es Spender mit Zuckerwasser, an denen sich die Kolibris laben. Ideal um Fotos zu schießen und Videos aufzunehmen.
Kolibris Nach der Pause geht’s zurück zur Weggabelung, jetzt wartet der härteste Teil der Wanderung. Relativ steil geht es durch den Wald den Berg hinauf. Mittendrin reißt dann mein Wetterglück und es beginnt zu regnen. Jetzt bin ich wirklich froh den Rundweg gegen den Uhrzeigersinn zu absolvieren – hier bei Regen den Berg hinunter macht sicher keinen Spaß.
Am höchsten Punkt der Wanderung Schließlich komme ich oben an, ab jetzt geht es nur mehr gemütlich bergab. Leider wird der Regen aber immer stärker, dazu kommt Nebel. Trotzdem schaffe ich es ein paar Fotos von den Palmen zu bekommen.

Die höchsten Palmen der Welt Nach rund sechs Stunden bin ich wieder am Start der Wanderung. Jetzt heissts erstmal umziehen, zum Glück hab ich wasserdicht verpacktes Reservegewand im Gepäck. Die Rückfahrt nach Salento wird dann ein wenig zur Geduldsprobe – zu viele Leute wollen zugleich retour, was den Willy-Service überlastet.

Selbst den Pferden ist es heute zu nass Schließlich komme ich aber – halbwegs trocken – wieder in Salento an. Bei einem Straßenhändler Kauf ich mir einen gebratenen Woazstrizl, bevor es ab unter die Dusche geht. Frisch machen für das nächste Abenteuer – mehr dazu beim nächsten Mal.










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Die Ocaso Kaffeefarm

Für meinen ersten Ausflug aus Salento hinaus entscheide ich mich die Ocaso Kaffeefarm zu besuchen. Diese liegt rund 5 Kilometer außerhalb des Ortszentrums und bietet Touren, die einen Einblick in die Welt des Kaffees liefern. Am Hauptplatz von Salento fahren rechtzeitig vor Beginn jeder Tour Willys ab, die einen danach auch wieder retour nach bringen.
Die Tour startet mit einer reifen Kaffeekirsche. Bevor die Kaffeebohnen, so wie wir sie kennen, genussfertig sind braucht es etliche Schritte. Eine Kirsche enthält in der Regel zwei Bohnen, hin und wieder enthält sie aber auch nur eine Bohne, die dafür besonders stark ist. Die Bohne ist noch in einer Schicht aus süßem Fruchtfleisch sowie der Pergamenthaut verpackt.

Kaffeekirsche mit zwei Bohnen Wir dürfen unsere Kaffeebohnen in ein sandiges Hochbeet pflanzen. In den ersten Monaten hilft der sandige Untergrund den Kaffeebohnen beim Wachsen, danach werden sie umgesetzt. Bis die Pflanze blüht vergehen drei Jahre. Dabei entwickelt sich nach und nach ein Baum, der insgesamt 21 Jahre lang Kaffee abwirft. Dazu wird er aber zweimal radikal zurückgestutzt sodass nur ein Stumpf übrig bleibt.

Hier haben wir unsere Bohnen gepflanzt Danach geht es ans Arbeiten – wir sollen selbst einige reife Kaffeekirschen pflücken. Das passiert hier von Hand, da jeder Kaffeebaum gleichzeitig unterschiedlich reife Kaffeekirschen enthält. Aufgrund der idealen Verhältnisse hier auf rund 1600 Metern Blühen die Kaffeebäume ganzjährig. Ein geschickter Pflücker kann pro Tag über 100 Kilo Kaffeekirschen ernten.

Meine Ausbeute Am Ende bleiben von jedem Kilo Kaffeekirschen rund 100 Gramm fertige Bohnen. Um die Kirschen zu verarbeiten gibt es mehrere Optionen. Man kann sie als ganzes vergären lassen, was die Intensität steigert oder Kirsche und Bohne trennen und nur die Bohne weiterverarbeiten. Hier wird die Bohne dann entweder mit dem übrig bleibenden Schutzfilm aus Fruchtfleisch getrocknet oder vorher gewaschen. Getrocknet wird in der Regel in Gewächshäusern, nur in der Hochsaison wird auch eine Maschine zum Trocknen eingesetzt.

Kaffeebohnen beim Trocknen im Gewächshaus Sind die Bohnen ausreichend getrocknet kann die letzte Schale entfernt werden. Übrig bleibt die fertige, ungeröstete Kaffeebohne. Oft werden die Bohnen auch ungeröstet exportiert und erst im Zielland geröstet. Je nach Art und Ablauf des Röstvorgangs lassen sich unterschiedliche Eigenschaften des Kaffees hervorheben. Am Ende unserer Tour dürfen wir den Kaffee nun selbst verkosten.

Der Kaffee wird durch einen Stofffilter gebrüht In Kolumbien wird fast ausschließlich Arábica Kaffee angebaut. Dieser hat einen geringeren Koffeingehalt als die Robusta-Bohne, die etwa in Brasilien vorherrscht. Brasilien und Kolumbien sind auch die Nummer eins und drei der weltweiten Kaffeeproduzenten – dazwischen liegt Vietnam. Kein Wunder also, das Kaffee in Kolumbien einen hohen Stellenwert hat. Für mich geht’s mit dem Willy zurück nach Salento – Proviant für morgen einkaufen. Was ich da unternommen habe erfahrt ihr beim nächsten Mal.




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Salento – wo der Kaffee zu Hause ist

Das nächste Ziel meiner Reise ist das Kaffee-Dreieck Kolumbiens. Hier, rund um die Orte Armenia, Pereira und Salento wird das schwarze Gold abgebaut und in die ganze Welt exportiert. Während Armenia und Pereira größere Städte mit eigenem Flughafen sind liegt der kleine Ort Salento etwas abgeschieden in den Bergen. Hier schlage ich mein Lager für einige Nächte auf um die Region zu erkunden.

Der Blick von meinem Balkon in Salento Um von Medellín nach Salento zu kommen ist auf dem Papier recht einfach. Es gibt einige Kleinbusse, die täglich die rund sechs Stunden lange Fahrt hinter sich bringen. Alternativ gibt es normale Fernbusse nach Armenia oder Pereira, von dort kann man dann Bus oder Taxi nehmen um die letzten 45 Minuten nach Salento zurück zu legen. Ich entscheide mich für die Fernbus-Variante mit gemütlichem Business-Class Sitz. Im Nachhinein eine gute Entscheidung, durch starke Regenfälle und Muren in den letzten Wochen dauert die Fahrt nämlich anstelle von sechs gleich zehn Stunden.

Immer wieder muss der Bus warten, da die Straßen nur einspurig befahren werden können Schließlich komme ich aber in meinem Hostel in Salento an. Der Ort selbst ist relativ klein und kann problemlos zu Fuß erkundet werden. Um zu den Attraktionen außerhalb des Ortes, wie etwa den Kaffeefarmen, zu kommen werden alte Jeeps – Willys genannt – eingesetzt.

Im Inneren des Willys Die Fahrt mit den Willys ist recht abenteuerlich, zehn Passagiere werden ins Innere des Autos gestopft, bis zu drei Passagiere stehen hinten auf einem Trittbrett. Dafür sind die Fahrten sehr günstig, weniger als zwei Euro kostet der Transport zu einer der rund 20 Minuten entfernten Kaffeefarmen und retour.

Die Sitzbank des Willys In Salento selbst gibt es außer vielen Restaurants und Souvenirshops nicht viele Attraktionen. Einzig ein Aussichtspunkt, der über sechs Stiegen erreichbar ist, liefert spektakuläre Ausblicke. Mehr zu erleben gibt es aber rund um den Ort. Was genau erfahrt ihr im nächsten Beitrag.





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Guatapé und die versunkene Stadt
Für heute habe ich eine ganztägige Tour in den östlichen Teil des Departamento de Antioquía gebucht. Von Medellin aus geht es rund 80 Kilometer nach Osten zur Stadt Guatapé. Diese gilt als eine der schönsten Städte in ganz Kolumbien. Die Abfahrt ist in aller Früh am Parque el Poblado, in einem der beliebtesten Viertel von Medellín. Da es für das Frühstück im Hotel zu zeitig war freue ich mich auf unseren ersten Stopp – ein kolumbianisches Frühstück. Neben Kaffee und Rührei gibt es Arepas – kleine runde Maisfladen.

Ein Brunnen in El Peñol Frisch gestärkt geht es weiter nach El Peñol – oder besser gesagt Neu El Peñol. Die ursprüngliche Stadt wurde nämlich in den 70ern aufgegeben um an ihrer Stelle ein Wasserkraftwerk zu errichten. Rund 4000 Menschen wurden damals umgesiedelt. Wir stoppen kurz an einem Brunnen im Zentrum des Ortes bevor es zur Hauptattraktion des Tages geht – dem Piedra de Peñol.

La piedra de Peñol Schön von weitem kann man den riesigen Felsbrocken sehen. Knapp über 700 Stufen gilt es bis zu seinem Gipfel zu erklimmen. Das klingt viel, ist in Wirklichkeit aber in rund 20 Minuten zu schaffen. Ungefähr in der Mitte gibt es eine Aussichtsplattform, an welcher man sich kurz ausruhen kann. Hat man es bis ganz nach oben geschafft wird man mit einem atemberaubenden Ausblick belohnt. Die vielen Seen sind alle Teil des Staubeckens des Wasserkraftwerks.
Der Rundblick von oben Hinunter gilt es die gleiche Anzahl an Stufen zu bewältigen, auch wenn der Rückweg hinter den Stiegen des Aufstiegs liegt – es gibt ein Einbahnsystem. Am Weg nach unten bin ich froh daß wir schon sehr früh am piedra de Peñol waren, denn auf der anderen Seite stauen sich die Menschen den Fels hinauf. Wieder unten angekommen gibt’s als Belohnung ein Bier bevor es weiter ins Zentrum von Guatapé geht.

Der Aussichtsturm am Gipfel des piedra de Peñol Eine Besonderheit in Guatapé sind die Zócalos. So werden hier die bunten Dekorationen an den Hausmauern genannt. Auch abseits davon ist Guatapé sehr farbenfroh und ein tolles Fotomotiv. Nachdem wir das Zentrum erkundet haben geht’s zum Mittagessen, es gibt traditionell Reis mit Bohnen, Kochbanane und ein Protein zur Auswahl.

Eine Straße im Zentrum, die Häuser mit Zócalos verziert Danach haben wir etwas Zeit den Strand zu erkunden bevor wir selbst zu einer Bootsfahrt aufbrechen. Es geht zu jenem Teil des Stausees, in welchem das alte Peñol lag. Übrig ist davon nur mehr ein Haus, sowie ein Kreuz das an den ehemaligen Standort der Kirche erinnert.

Hier befand sich einst die Kirche von Peñol Heute leben Musik- und Sportstars am Ufer des Sees, vor rund 30 Jahren hatte hier auch Pablo Escobar eine Residenz – inklusive Hubschrauberlandeplatz. Heute ist davon nur eine Ruine übrig, das Anwesen wurde bereits vor dem Tod des Drogenbarons von einer rivalisierenden Bande zerstört.

Die Überreste von Pablo Escobars Villa Bevor es zurück nach Medellín geht legen wir noch einen Stopp bei einem Nachbau des alten Peñol ein. Auf einem Hügel wurde hier das alte Ortszentrum inklusive Kirche nachgebaut um an die Vergangenheit zu erinnern.

El viejo Peñol Wieder in Medellín angekommen geht es für mich zurück ins Hotel. Packen steht auf dem Programm, morgen geht es in eine neue, interessante Region von Kolumbien. Mehr dazu beim nächsten Mal.














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Comuna 13 – ein Stadtteil im Wandel

Während sich ganz Medellín in den letzten 20 Jahren stark gewandelt hat trifft das besonders auf einen Stadtteil zu – Comuna 13, auch unter dem Namen San Javier bekannt. Insgesamt 16 Bezirke – Comunas genannt – umfasst Medellin, San Javier ist dabei wohl der berüchtigste. Für viele Jahre herrschten hier kriegsähnliche Zustände, ausgelöst durch rivalisierende Drogenbanden. Heute zieht der Stadtteil jedes Jahr hunderttausende Touristen an. Um zu sehen wieso das so ist habe ich eine Tour in die Comuna 13 gebucht.

Comuna 13 von der Mittelstation der Gondel Die Tour startet ganz in der Nähe meines Hotels an einer U-Bahn Station. Mit dieser geht’s rund 10 Stationen zur Talstation der Gondel. Ähnlich wie in La Paz gibt es auch hier in Medellín Gondelbahnen um rasch auf die Hügel der äußeren Bezirke zu kommen. Hunderttausende Menschen nutzen die Gondeln täglich um zur Arbeit und wieder zurück zu pendeln. Wir steigen an der Mittelstation aus um den Überblick über Comuna 13 und ganz Medellín zu genießen.

Fast wie am Skiberg Danach geht es wieder ins Tal – in das Zentrum von Comuna 13 geht es mit dem Bus. Die Fahrt dorthin dauert rund 10 Minuten und endet in einer bunten Straße. Gleich erkennt man, womit die Menschen hier heute ihr Geld verdienen – Tourismus. An jedem Eck gibt es Bars, Souvenirläden und Straßenkünstler.

Am Fuß von Comuna 13 Wir spazieren die Straße hinauf, vorbei an beeindruckenden Graffitis. Viele Künstler haben hier die Geschichte der Comuna verarbeitet, heute sind die Kunstwerke ein wesentlicher Grund weshalb so viele Menschen die Comuna 13 besuchen.

Eines der Graffiti Um ganz nach oben zu kommen wurde eine Reihe von Open Air Rolltreppen installiert. Knapp 350 Meter Rolltreppe gibt es um den Hügel binnen kürzester Zeit zu erklimmen. Oben gibt es mehr Bars und Straßenhändler, aber auch einen spektakulären Ausblick. Wir machen eine kurze Pause und genießen diesen bei einem Bier.

Ausblick von oben Was positiv auffällt – während überall sonst in Südamerika Kinder unterwegs sind um Sachen zu verkaufen ist das hier verpönt. Anstatt dessen sehen wir Kinder mit einem Wasserschlauch spielen – immerhin ist es heute sehr heiß. Generell sind die Menschen sehr freundlich, man ist froh mit dem Tourismus eine Lebensgrundlage abseits von Drogen und Gewalt zu haben.

Ein Kind das arbeitet verliert mehr als es verdient Ansonsten erinnert mich Comuna 13 stark and die Favela Santa Marta in Rio de Janeiro – allerdings gibt es hier viel bessere Infrastruktur. Unsicher fühle ich mich in keinem Moment, es ist fast unvorstellbar das hier vor 20 Jahren noch ein Bandenkrieg tobte. Nach rund zwei Stunden geht es wieder zurück zur U-Bahn, die Tour geht zu Ende. Und ich verstehe jetzt, warum Comuna 13 bei Touristen so beliebt ist – was die Gemeinschaft hier auf die Beine gestellt hat um das Drogen-Image auszumerzen ist beeindruckend.









