La Paz – eine Stadt wie ein Vogelnest

Gut 10 Stunden dauert die rund 550 Kilometer weite Fahrt von Uyuni zum Regierungssitz von Bolivien, La Paz. Dabei passiert man seine Zwillingsstadt El Alto, welche am oberen Rand von La Paz entstand. Mittlerweile hat El Alto sogar etwas mehr Einwohner als La Paz, insgesamt leben im Einzugsgebiet der beiden Städte rund 2 Millionen Menschen.

La Paz befindet sich in einem Talkessel, trotzdem liegt das Zentrum auf rund 3600 Meter Seehöhe. Innerhalb der Städte gibt es gewaltige Unterschiede was die Lebensqualität betrifft. Tiefer unten findet man Villen und Luxushotels, während fast 1000 Meter darüber in El Alto die ärmsten Menschen leben. Um diese Höhenunterschiede zu bewältigen setzt man auf Gondelbahnen, welche von der österreichischen Firma Doppelmayr gebaut wurden.

Blick auf El Alto

Für abenteuerlustige hat die Gegend um La Paz viel zu bieten. Da gibt es einerseits die Death Road, eine der gefährlichsten Straßen der Welt, welche mit dem Mountainbike befahren werden kann. Die rund 50 Kilometer lange Strecke führt vorbei an hunderten Metern tiefen Schluchten – Leitplanken gibt es keine. Oder man kann den 6088 Meter hohen Berg Huayna Potosí besteigen, von dem aus man bis in den Amazonas sehen kann.

Doch auch in La Paz selbst gibt es einiges zu sehen. So zum Beispiel das größte Gefängnis des Landes, San Pedro. Die rund 3000 Insassen haben sich selbst organisiert, es gibt acht unterschiedliche Bereiche, alle mit eigenem „Bürgermeister“. Die Insassen müssen für die Unterkunft im Gefängnis selbst aufkommen, daher gehen viele einem Job nach. Das geht vom Putzen der Zellen wohlhabender Insassen bis hin zum Betrieb eigener Restaurants. Oft leben auch Frau und Kinder der Verurteilten im Gefängnis, da sie sich keine eigene Wohnung leisten können.

Von aussen sieht das Gefängnis wie eine Festung aus

Die Wärter sind nur dafür da, dass niemand entkommt – Resozialisierung gibt es keine. Berühmtheit erlangte das Gefängnis durch die Touren für Touristen, welche zu Beginn des Jahrtausends möglich waren. Als Souvenir brachten viele Besucher Kokain mit, welches im Gefängnis hergestellt wurde. Nach der Ermordung einiger Touristen finden heute aber keine Touren mehr statt.

Viele Straßen in La Paz sind sehr steil

Eine weitere Attraktion ist der Hexenmarkt. Auch wenn Bolivien grundsätzlich ein katholisches Land ist, wird vielerorts noch die Göttin Pachamama verehrt. Diese repräsentiert Mutter Erde und muss durch Rituale und Opfergaben gutmütig gestimmt werden. Je nach Anliegen fallen die Opfergaben geringer oder größer aus – unabhängig davon gibt es alle notwendigen Gegenstände dafür am Hexenmarkt zu kaufen. Das geht von kleinen Figuren aus Zucker, die mit Alkohol übergossen und entzunden werden bis hin zu Llama-Föten. Daneben gibt es noch eine ganze Menge anderer esoterischer Heilmittel.

Der Hexenmarkt

Außerdem gibt’s noch unzählige Souvenirläden, welche Schmuck, Schlüsselanhänger oder Ponchos anbieten. Dazwischen findet man in den Straßen auch immer wieder Street Art.

Street Art in La Paz

Das Regierungsviertel kann mit Prachtbauten aufwarten, hier trifft Kolonialstil auf moderne. Doch auch die bewegte jüngere Geschichte des Landes lässt sich hier sehen. An manchen Gebäuden kann man noch Einschusslöcher aus dem Jahr 2003 sehen, als Proteste gegen den Ausverkauf der Bodenschätze gewaltsam niedergeschlagen wurden. Obwohl reich an natürlichen Ressourcen ist Bolivien eines der ärmsten Länder Südamerikas – zu oft haben sich Regierungen auf Kosten der Allgemeinheit bereichert.

Der alte und neue Regierungssitz Boliviens

Dann gibt es in La Paz noch eines der höchste gelegenen Fußballstadien der Welt. Mehr Details dazu gibt’s beim nächsten Mal.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s