Mahlzeit – eine kulinarische Tour durch Bogotá

Zwei der spannendsten Dinge in einem fremden Land sind für mich die lokale Küche und die Essgewohnheiten der Menschen. Um zu erfahren wie das in Bogotá aussieht, hab ich mich der Food Tour von Beyond Colombia angeschlossen.

Die Tour selbst ist ähnlich aufgebaut wie die Free Walking Tour, nur das anstelle von Sehenswürdigkeiten unterschiedliche Lokale besucht werden. Dabei wird in knapp vier Stunden der kulinarische Tag eines typischen Bewohners von Bogotá nachgestellt.

Gestartet wurde mit einem „Frühstück to go“, welches man hier nicht nur in den Gaststätten sondern sehr oft auch bei den unzähligen Straßenhändlern findet – den Empanadas. Diese Teigtaschen ähneln von außen zwar dem, was man auch in Österreich in einer Bäckerei findet, sind aber nicht süß sondern herzhaft gefüllt. Hier in Kolumbien klassisch mit Reis und Faschiertem.

Weiter ging es mit einem kurzem Snack am Plaza de Bolívar, einem gebratenen „Woazstrizl“. Mais ist, auch in vielen anderen Ländern Südamerikas, ein integraler bestandteil der lokalen Küche.
Nach diesem kurzen Zwischenstopp ging es weiter zum Mittagessen. Hier sind Suppen sehr beliebt, allen voran die Ajiaco Santafereño, eine dicke Hühnersuppe, die neben drei unterschiedlichen Erdäpfelsorten auch Sauerrahm, Kapern und Koriander enthält. Dazu gibt es als Einlage Reis sowie Avocado:

Ajiaco Santafereño

Als nächstes Stand für einige Teilnehmer der Tour ein erster Härtetest auf dem Programm. Als Hauptgang beim Mittagessen steht in Kolumbien oft Fleisch auf dem Programm, deshalb ging es weiter zu einem Lokal, wo das Fleisch direkt am Eingang über Holzkohle gegrillt wurde. Neben gegrilltem Kalbsfleisch gab es auch ein Capybara zu verkosten. Erinnert vom Aussehen her an ein Meerschweinchen, das Fleisch ähnelt einer Hendlbrust, schmeckt aber nach Schwein.

Ein Capybara Baby, ausgewachsen können die Tiere über einen Meter lang werden

Nach dem Mittagessen darf natürlich ein Dessert nicht fehlen, deshalb ging es zu einem Marktstand welcher Obleas im Angebot hatte. Eine Oblea besteht aus zwei dünnen Waffeln, wie man sie von unseren Schnitten kennt, welche mit zwei oder mehreren Zutaten gefüllt wird. Eine der Füllungen ist dabei Arequipe, eine karamellisierte Milch. In der klassischen Variante gibts dazu geriebenen Käse, ich hab mich aber für eine Kombination mit einer Schwarzbeermarmelade entschieden.

Natürlich darf auch eine Stärkung am Nachmittag nicht fehlen. Bei den kolumbianischen Arbeitern war hier Aguardiente – zu deutsch Feuerwasser – sehr beliebt, sehr zum Leidwesen ihrer Frauen. Um den Diskussionen zu Hause zu entgehen, weshalb man schon wieder mit den Kumpels beim Aguardiente trinken hängengeblieben ist, wurde von der Männerwelt ein Codewort ausgedacht. Anstelle des Wortes Aguardiente wurde die Anzahl seiner Buchstaben genommen – und schon waren „Las Onces“ geboren. Diese Bezeichnung für den Nachmittagssnack hat sich bis heute gehalten, wobei es neben dem Schnaps aus Zuckerrohr und Anis noch eine zweite Spezialität gibt welche dort gerne konsumiert wird. Heiße Schokolade, in welcher ein Stück Käse aufgelöst wird:

Heiße Schokolade mit Käse

Zum Abschluss unserer Tour gab es anstelle von Abendessen, für welches sowieso niemand mehr Platz gehabt hätte, einen Abstecher zu einem Cafe welches nicht nur eine Barista-Schule betreibt sondern sich auch der „artgerechten“ Zubereitung von Kaffee verschrieben hat. Denn auch wenn Kolumbien eines der führenden Kaffeeexportländer ist, war das Getränk zu Hause lange Zeit wenig beliebt. Der Grund dafür – der hochwertige Kaffee wurde in alle Welt exportiert, für den heimischen Markt blieben so nur der Ausschuss übrig.

Dem versuchen Cafes wie das von uns besuchte Arte y pasión Café entgegenzuwirken. Hier werden kolumbianische Kaffeebohnen, je nach ihrer Stärke, mit unterschiedlichen Methoden zubereitet um das Beste aus dem Kaffee zu holen. Während ein Kaffee mittlerer Stärke etwa mit einem besonderen Filter zubereitet wird, kommt beim stärksten Kaffee ein Syphon zum Einsatz welches den Kaffee mittels Unterdruck zubereitet:

Kaffe Syphon

Insgesamt war die Tour sehr gut organisiert, es gab an den einzelnen Stationen kaum Wartezeiten, meistens waren für uns sogar Sitzplätze reserviert. Unser Guide lieferte zwischen den Stationen auch einen ausführlichen Einblick in den kulturellen Hintergrund. Für umgerechnet weniger als €10 für die verkosteten Speisen auf jeden Fall einen Nachmittag wert!

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